Frank Zane: Ästhetik pur

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Frank Zane dient Millionen von Bodybuildern bis zum heutigen Tag in Puncto Ästhetik als das ultimative Vorbild. Atemberaubende Proportionen, fast perfekte Symmetrie sowie ein rundum stimmiges Posing verhalfen dem US-Amerikaner Ende der siebziger Jahre zu drei Olympia-Titeln.

Mit ungefähr 14 Jahren widmete sich ein aufgeschlossener US-Amerikanischer Teenager zahlreichen neuen Dingen: Bogenschießen, Yoga, Meditation sowie Bodybuilding weckten das Interesse des sportbegeisterten Jungspunds. Während besagte Aktivitäten heutzutage nahezu als Mainstream bezeichnet werden können, handelte es sich in den späten fünfziger Jahren jedoch um einen Haufen vollkommen exotischer Hobbys.

Frank Zane fand schnell einen großen Gefallen an seinen neuen Freizeittätigkeiten. Besonders das Bodybuilding hatte es dem Teenager angetan: Im Vergleich zu seinen Freunden verzeichnete der spätere Mr. Olympia rasant sichtbare Fortschritte. Er vernetzte sich in seiner Heimat Pennsylvania mit weiteren Bodybuildern und verlor seine große Leidenschaft parallel zu seiner akademischen Laufbahn niemals aus den Augen.

Denn Zane studierte zunächst Chemie und war fortan als Lehrer tätig. Zunächst in seiner Heimat Pennsylvania, zog es den US-Amerikaner später in den Süden nach Florida. Im Sunshine State nahm die Bodybuilding-Karriere des Akademikers schließlich an Fahrt auf, traf dieser dort doch endlich auf Gleichgesinnte, welche bereits über viel Erfahrung verfügten.

Frank Zanes ultimativer Fokus auf Ästhetik

Der Chemiker (bis zum heutigen Zeitpunkt der Spitzname des dreifachen Mr. Olympia) stellte von jeher einen schlanken Athleten dar. Eine schmale Taille und verhältnismäßig breite Schultern wollten mit Muskelmasse bepackt werden. Großartig definieren musste Zane sein Erscheinungsbild vor den Wettkämpfen niemals – sein Körperfettanteil war nach eigenen Angaben einfach immer atemberaubend niedrig.

Es ging dem US-Amerikaner nicht darum, so viel Muskelmasse wie möglich aufzubauen. Er wollte nie zuvor erreichte Ästhetik präsentieren. Proportionen, Symmetrie, Art der Präsentation – Frank Zane fokussierte Dinge, welche im heutigen Profigeschäft keine allzu große Rolle mehr spielen. Während er in seinen frühen Zwanzigern noch mit viel Gewicht trainierte und regelmäßig durch Verletzungen ausgebremst wurden, erkannte der Chemiker später, dass ihm saubere Wiederholungen mit deutlich leichteren Widerständen nennenswert effektiver und verletzungsfrei an sein Ziel brachten.

Ab nach Kalifornien

Während Zane noch aus beruflichen Gründen nach Florida gezogen war und im Südosten der USA praktisch eher zufällig von den besseren Trainingsbedingungen profitierte, stand sein nächster Umzug ganz im Zeichen des Bodybuildings: Den US-Amerikaner verschlug es nach Kalifornien. Denn Ende der sechziger Jahre stellte der Westen bereits das Mekka seines Lieblingssports dar. Dort durfte sich Zane zunächst im Rahmen verschiedener Mr. Universe- sowie Mr. America-Wettkämpfe mit der Elite des Bodybuildings messen.

Es gelang ihm, den aufstrebenden Arnold Schwarzenegger zu besiegen. 1968 traten beiden an, um sich den Titel des IFBB Mr. Universe zu sichern. Zane befand sich in Topform und präsentierte bereits Jahre vor seinem ersten Olympia-Titel seine atemberaubenden Stärken: ästhetische Proportionen, ausgesprochen symmetrische Linien sowie die schmalste Taille aller Wettbewerber.

Arnold hingegen brachte zwar eine bislang ungesehene Fülle an Muskulatur und ebenfalls sehr gefällige Proportionen aus Europa mit, in Puncto niedriger Körperfettanteil lag die amerikanische Messlatte jedoch höher als auf dem alten Kontinent. So unterlag der Österreicher dem deutlichen schmaleren US-Amerikaner. Frank Zane sollte einer von nur drei verschiedenen Bodybuildern bleiben, welchen es jemals gelang, den großen Arnold auf einer Bühne zu bezwingen.

Arnold lernte aus seiner Niederlage und tauchte zukünftig deutlich formstärker auf Wettbewerben auf. Nun war Zane zwar nach wie vor der symmetrischere Athlet, in Sachen Definition konnte der US-Amerikaner dem Österreicher allerdings nichts mehr vormachen. Zudem nahm Arnold seinen italienischen Freund Franco Columbu [https://www.team-andro.com/franco-columbu-stirbt-im-alter-78-jahren.html] unter die Fittiche. Dies hatte für Frank eine Reihe zweiter und dritter Plätze zur Folge, da Arnold und Franco in den frühen Siebzigern grundsätzlich vor dem Chemiker platziert wurden.

Frank Zane als Arnolds Thronfolger

Nachdem Arnold 1975 seinen Rücktritt verkündetet hatte, rechnete sich Zane große Chancen auf den Titel im Folgejahr aus. Der US-Amerikaner hatte jedoch die Rechnung ohne Franco Columbu gemacht, welcher in der Form seines Lebens zum Mr. Olympia-Wettkampf erschien und sich den ersehnten Pokal sichern konnte. Genau wie Zane hatte Columbu über Jahre hinweg im Schatten des großen Österreichers gestanden, obgleich der Italiener Jahr für Jahr ein überragendes Paket präsentierte.

1977 trat schließlich auch Franco nicht mehr an, nachdem sich der Italiener im Vorfeld von Mr. Olympia im Rahmen einer Strongman-Show verletzte. Arnold und Franco, zwei massige Bodybuilder, welche jedoch zugleich großen Wert auf feine Proportionen und einen niedrigen Körperfettanteil gelegt hatten, stellten nun keine Konkurrenten mehr dar.

So war der Weg für Frank Zanes ersten Triumph auf der bereits damals wichtigsten Bühne im Bodybuilding endlich frei. Nachdem das Unterfangen glückte, entschied sich der US-Amerikaner dazu, seinen Job als Lehrer an den Nagel zu hängen, um sich Vollzeit auf die kommenden Jahre vorzubereiten.

Seitdem bezieht Frank seinen Lebensunterhalt aus dem Bodybuilding. Zunächst waren es Preisgelder, später kamen Sponsoren sowie Einnahmen aus seinen Büchern hinzu. Auch heute gehören das Promoten verschiedener Shows und Produkte sowie seine Tätigkeit als Personal Trainer noch zum Tagesgeschäft des umtriebigen Kraftsport-Rentners.

 

Perfektionistisch zum Seriensieger

Noch zu aktiven Zeiten pflegte Frank Zane eine außergewöhnliche Herangehensweise an den Aufbau eines Olympia-Körpers: Jedes Wochenende schoss seine Frau haufenweise Fotos aus allen möglichen Winkeln und in sämtlichen Posen. Diese studierten beide gemeinsam bis ins kleinste Detail und zogen im Anschluss Rückschlüsse auf vorhandene Schwachstellen, Disproportionen oder Asymmetrien. Über Jahre hinweg vollzog der US-Amerikaner diese Methode, um sein Erscheinungsbild in Puncto Ästhetik zu perfektionieren.

Darüber hinaus verwendete Zane sehr viel Zeit mit dem Posing. Wie Arnold war auch der Chemiker davon überzeugt, dass es sich lohne, ein Meister der Präsentation zu sein. Stärken hervorheben, Schwachstellen in den Schatten stellen – ohne zahllose Stunden vor dem Spiegel sowie der Kamera hätten beide wahrscheinlich nennenswert weniger Siege eingefahren.

Nach dem ersten Triumph auf der Olympia-Bühne strebte des Ausnahmeathlet nach weiteren Siegen. Er wusste, dass sein Körper noch Verbesserungspotential beinhaltete. Es gelang dem Chemiker, in den folgenden beiden Jahren an Muskelmasse zuzulegen, ohne jedoch zugleich den ultimativen Fokus auf Proportionen und Symmetrie aus den Augen zu verlieren.

1978 sowie 1979 setzte Frank Zane den Standard. Vormals schwerere Athleten wie der legendäre Robby Robinson waren gezwungen, ihr Augenmerk ebenfalls auf eine feine Linie zu legen – zugleich büßten zahlreiche Wettbewerber in besagtem Zuge nennenswert an Muskelmasse ein. Die Judges bevorzugten ästhetische Athleten, Massemonster waren schlicht nicht in Mode. Der Chemiker bediente besagtes Ideal wie kein Zweiter.

Bodybuilding verändert sich in den 80ern

1980 wurde Frank Zane gut zwei Monate vor dem Olympia-Showdown in einen Unfall verwickelt und erlitt lebensgefährliche Verletzungen. Obgleich seine Vorbereitung auf den Wettbewerb dadurch selbstverständlich praktisch zerstört wurde, trat der amtierenden Champion acht Wochen später in Sydney an, um seinen Titel zu verteidigen.

Dennoch gehörte der US-Amerikaner zu den stärksten Teilnehmern. Hauptdarsteller einer der umstrittensten Olympia-Shows aller Zeiten sollte jedoch ein Konkurrent alter Tage werden: Arnold Schwarzenegger gab nach fünfjähriger Abstinenz völlig überraschend sein Comeback und wurde von den Judges zum Sieger gekürt – zum großen Unverständnis des Publikums und der anwesenden Experten. Frank Zane wurde Dritter und war im Anschluss an die Entscheidung derart wütend, dass seine Trophäe wenig später hinter der Bühne an der Wand zerschellte.

Für einen vierten Sieg hätte es jedoch auch ohne Arnolds Erscheinen wohl nicht mehr gereicht. Die Zeichen der Zeit hatten nämlich bereits begonnen, sich zu ändern: Die Judges schenkten nun nicht mehr dem ultimativ ästhetischen Look die größte Aufmerksamkeit. Platzierungen auf zahlreichen Shows in den frühen achtziger Jahren deuteten an, dass der Trend wieder zu mehr Muskelmasse ging.

Im Folgejahr boykottierte Zane aus Protest gegen die Ereignisse des Vorjahres den wichtigsten Wettbewerb der Welt. Also bekam das Publikum den Chemiker erst 1982 wieder zu Gesicht. Bereits zwei Jahre zuvor hatte sich der dreimalige Champion hinter Chris Dickerson einreihen müssen. Auch diesmal reicht es hinter dem neuen Sieger nur zum zweiten Rang.

Da Zane den Titel denkbar knapp verpasste – mitunter weil dem Topfavoriten Tom Platz wenige Wochen zuvor der Bizeps gerissen war und Titelverteidiger Franco Columbu nicht antrat und damit zwei relativ massige Athleten fehlten – entschied er sich dazu, 1983 ein weiteres Mal anzutreten.

Zeit für einen Schlussstrich

Wie bereits drei Jahre zuvor erlitt Zane relativ genau zwei Monate vor dem Wettbewerb im Rahmen eines Verkehrsunfalls schwere Verletzungen. Erneut war die Vorbereitung im Eimer, doch wieder entschied sich der US-Amerikaner dazu, anzutreten. Es gelang ihm, im Vergleich zu seiner gewohnten Präsenz, mehr Muskelmasse zu präsentieren. Im Gegenzug büßte der Chemiker an ästhetischen Komponenten ein. Als mit dem späteren Seriensieger Lee Haney dann auch noch ein – für die damalige Zeit – neuartiges Massemonster vor ihm platziert wurde, wusste Frank, dass seine Zeit gekommen war.

Mit 41 Jahren widmete sich der US-Amerikaner einem hauseigenen Trainingszentrum: dem „Zane Haven“. Dort konnten interessierte Klienten vom dreimaligen Mr. Olympia trainiert werden und seine Philosophie verinnerlichen. Zudem schrieb der Chemiker mehrere Bücher über das Bodybuilding.

Darüber hinaus vertiefte Frank seine akademische Laufbahn: Er erhielt einen Bachelor in Psychologie und einen Master in Experimenteller Psychologie. Bis heute ist der 79-jährige als Personal Trainer und Berater von Bodybuildern tätig.

Bilder: Frank ZanePer Bernal Autor: Nico Schmidt

 

 

 

 

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