Rocky, Rambo und das Phänomen Bodybuilding

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Muskelbepackt, wortkarg, kämpferisch – eine einfache Erfolgsformel katapultierte Sylvester Stallones legendäre Kunstfiguren Rocky und Rambo von der Leinwand geradewegs in die Herzen seiner zahlreichen Fans. War Bodybuilding in den Siebziger Jahren noch ein Nischenphänomen, trug der Schauspieler erheblich zur sich daran anschließenden wachsenden Popularität des Kraftsports bei.

Sylvester Stallone: Muskelbepackt, wortkarg, kämpferisch

Sylvester Stallone war schon immer ein Mann der Tat. Bereits in jungen Jahren wurde der US-Amerikaner aufgrund seines Aussehens und einer Sprachstörung stets mit dem Vorurteil konfrontiert, über keine ausgesprochene Intelligenz zu verfügen. Seine hängenden Augenlider und schmalen Gesichtszüge führten laut eigenen Aussagen früh dazu, von Lehrern und Mitschülern als dümmlich charakterisiert zu werden.

Im Sport jedoch legte ihm niemand Hindernisse in den Weg. Sylvester lernte Boxen, hob Gewichte und machte auch in der Leichtathletik eine gute Figur. Er akzeptierte früh, von Fremden als der „große, dumme Athlet“ angesehen zu werden und freundete sich mit diesem Klischee an.

Aufgewachsen ist der Sohn italienischer Einwanderer in den 50er und 60er Jahren im berüchtigten New Yorker Stadtteil Hell‘s Kitchen. Das ehemalige Problemviertel war geprägt von Armut, Bandenkriminalität und Gewalt. Zudem beschrieb der spätere Actionheld die Verhältnisse innerhalb seiner Familie als schwierig.

Wie schon Schwarzenegger: Ziel Hollywood

Wie Arnold Schwarzenegger nahm sich auch Sylvester früh die Actionstars aus Hollywood zum Vorbild. Diese entwickelten sich nur schleichend zu den muskelbepackten Helden der 80er Jahre – Schauspieler mit der Anmut eines Bodybuilders kamen in den 50er Jahren praktisch noch nicht vor. Eine Ausnahme stellte Steve Reeves dar, welcher als Herkules beiden späteren Superstars eine Blaupause für ihre Karriere liefern sollte.

Sylvester passte sich als Jugendlicher zunächst seiner rauen Umgebung an. Er wurde schnell handgreiflich, flog von mehr als zehn verschiedenen Schulen und trat vermehrt mit dem Gesetz in Konflikt. Mit gut 20 Jahren fasste der Sozialfall den Entschluss, sich in Kalifornien als Schauspieler zu versuchen. Erste Erfolge bahnten sich an: Seine muskulöse Statur machte den Neuling in Kombination mit seinem Sprachfehler und der markant tiefen Stimme zum idealen Bösewicht und Schlägertypen.

Als es nach wenigen Jahren nicht zu mehr als kleinen Nebenrollen reichte, war Sylvester drauf und dran, seinen Traum vom gut bezahlten Schauspieler aufzugeben. Er orientierte sich in eine neue Richtung: Drehbuchautor. Die von ihm geschriebene Vorlage für den legendären Film „Rocky“ stieß schließlich auf das Interesse von namhaften Produzenten – auch wenn diese zunächst einen bereits etablierten Schauspieler als Besetzung der Hauptrolle wünschten.

Rocky: Silvester Stallones Durchbrauch

Der ambitionierter New Yorker bestand jedoch darauf, den Boxer Rocky darstellen zu dürfen. Während ursprünglich über 200.000 Dollar für das Drehbuch geboten wurden, gab sich Sylvester mit vergleichsweise lächerlichen 20.000 Dollar und der Mindestgage von wöchentlich 360 Dollar zufrieden, um seinen Traum vom Durchbruch als Schauspieler am Leben zu halten.

„Rocky“ wurde ein durchschlagender Erfolg. 1976, mit 30 Jahren, hatte es der Außenseiter endlich geschafft: Er war gefeierter Schauspieler, dem das Publikum seine größte Rolle blind abnahm. Der Boxer im Film ist ein Underdog, welcher sich trotz widriger Umstände ins große Glück kämpft. Auf Sylvester trifft besagter Lebensweg ebenfalls zu – die Öffentlichkeit liebt diese Parallele bis zum heutigen Tag.

Auch wenn zunächst lediglich die Fortsetzung von „Rocky“ die Kassen nennenswert füllte, hatte Sly seine Paraderolle gefunden: Muskelbepackt, wortkarg, kämpferisch. 1982 verkörperte er erstmals den Vietnam-Veteranen John Rambo, welcher demselben Muster folgte. Wie sechs Jahre zuvor schlug das Action-Meisterwerk unverhofft ein wie eine Bombe. „Rocky III“, der nahtlos an den Erfolg der beiden Vorgänger anknüpfte, erschien im selben Jahr. Anfang der 80er Jahre glückte Sylvester mit diesem Doppelpack der Sprung zum Superstar.

Rocky, Rambo und das Phänomen Bodybuilding

1985 folgten – wie könnte es anders sein – „Rocky IV“ und „Rambo II“. Der Erfolg war gigantischer denn je, das Zeitalter der muskelbepackten Actionstars befand sich auf dem Höhepunkt. Parallel zu Sylvesters Blockbustern glänzte Arnold Schwarzenegger als Conan oder Terminator – und nebenbei verwandelte sich Bodybuilding von einem belächelten Nischenphänomen zum massentauglichen Volkssport.

Schwer vorstellbar, dass es Leute gab, die noch mehr zur Popularität des Bodybuildings beigetragen haben als die Actionstars der 80er Jahre. Während noch in den 70ern kaum Fitnessstudios in den USA oder hierzulande existierten, sprossen wenige Jahre später parallel zur Revolution auf den Leinwänden die Gyms nur so aus dem Boden. Schwarzenegger, Van Damme, Lundgren oder eben Stallone setzten neue Maßstäbe in Bezug auf Männlichkeit und erstrebenswertem Erscheinungsbild.

Sylvester Stallone mit seiner Ehefrau und Kindern

Zu Slys vielen Actionfilmen gesellten sich später einige Komödien, Dramen und andere Experimente. Wirklich erfolgreich war eine Stallone-Produktion allerdings meist nur dann, wenn Fäuste oder Kugeln flogen. Ob in „Rocky Balboa“ (dem sechsten Teil der Reihe), „Rambo IV“ oder „The Expendables“: Selbst weit nach der Jahrtausendwende machte Sylvester auch mit über 60 Jahren als Kämpfer noch eine gute Figur.

Es passt ins Bild, dass der Actionstar nach wie vor als Schauspieler und Drehbuchautor tätig ist. Dass Sylvester bis heute von den meisten Fans auf Rocky und Rambo reduziert wird, scheint den Multimillionär nicht sonderlich zu stören. Schließlich trug er mit seinen beiden legendären Kunstfiguren erheblich dazu bei, eine ganze Generation dazu zu inspirieren, Gewichte zu heben und die Vorzüge des Bodybuildings für sich zu entdecken.

Quelle Bilder: Sylvester Stallone Instagram, Featureflash Photo Agency / Shutterstock.com, Matthias Busse – Autor: Nico Schmidt

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