William Bonac: Ein holpriger Einstieg ins Bodybuilding

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Mit William Bonac hat ein Westafrikaner die Champions League des Bodybuildings erobert. Apropos erobert: Sein Spitzname „The Conqueror“ beschreibt Bonacs Werdegang nicht ganz perfekt, denn sein Ankommen in der absoluten Weltspitze geschah nicht laut und überfallartig, sondern über Jahrzehnte. Und so kann jeder Sportler eines vom ihm lernen: Beharrlichkeit zahlt sich am Ende aus.

William Bonac – The Conqueror: Zwei Dekaden Geduld bis zum Mr. Olympia

William Bonac wurde 1982 in Ghana in der Region Ashanti geboren. Im Jugendalter zog er mit seiner Familie nach Australien. Inspiriert von den Filmhelden seiner Generation, zum Beispiel Arnold Schwarzenegger in „Conan der Barbar“, unternahm er schon als 12-Jähriger erste Gehversuche im Kraftsport und Bodybuilding. Ganz altersgerecht fehlte ihm allerdings die notwendige Ernsthaftigkeit und Kontinuität. Erst ab seinem 14. Lebensjahr etablierte er eine gewisse Beständigkeit in seinem Training und sah so erste Erfolge.

Wenn man Quellen zu Bonacs Sportlerkarriere studiert, dann geht es eigentlich immer um das eine Thema: seinen außergewöhnlich langen Atem auf dem Weg nach ganz oben. In einem Zeitalter, in dem der IFBB von Jung-Profis überrannt wird, die schon mit Anfang Zwanzig auf Spitzenniveau unterwegs sind, erscheint Bonacs Biografie umso bemerkenswerter. Denn The Conqueror ließ sich mit dem Erobern der Welt alle Zeit der Welt: Vom Trainingsstart bis zu Endziel Mr. Olympia vergingen satte zwei Jahrzehnte.

Dabei ist der lange Weg aber keinesfalls Durststrecke zu bezeichnen, war er doch gesäumt von so einigen Top-Platzierungen und vor allem stetiger Verbesserung.

Im Jahr 2010 sicherte sich Bonac, der mittlerweile in den Niederlanden wohnte, mit einem Klassen- und Gesamtsieg auf der Juliette Bergman Classic in Rotterdam die IFBB Pro-Card. Sein Debüt bei den Profis gab er 2012 auf dem British Grand Prix, den er als guter Sechster abschloss. Nach diesem gelungenen Einstand wechselte er von der 212er- in die offene Klasse, in der er sich heute mehr als etabliert hat.

In den darauffolgenden Jahren zeigte sich der Wahl-Holländer überaus fleißig bei der Bestückung seines Wettkampfkalenders und stand zuverlässig in immer besserer Kondition auf den Bühnen in aller Welt. Seinen ersten Sieg in der Professional League holte er 2014 auf der Golden State Pro. Er gewann insgesamt acht Profi-Wettkämpfe, darunter besonders prestigeträchtige Veranstaltungen wie die Arnold Classic, die EVL’s Prague Pro und die Nordic Pro.

Ist William Bonac ein Mr. Olympia Titelaspirant?

Mit dem Golden State-Titel qualifizierte er sich 2014 auch für seine erste Teilnahme am Mr. Olympia. Hier ging er zwar mit einem 15. Platz noch recht sang- und klanglos unter, fiel aber vielen Beobachtern und Fans schon sehr positiv auf. Da könnte etwas Großes heranwachsen! Und genau so kam es.

Im drauffolgenden Jahr wurde Bonac schon Achter, 2016 gelang ihm mit dem fünften Platz die erste Finalteilnahme. Seitdem konnte er sich in der Top 6 der besten Bodybuilder unseres Planeten etablieren. 2019 gewann er gar den Vize-Titel, nur knapp geschlagen von Brandon Curry. Sein bislang bestes Ergebnis und bestimmt noch nicht das Ende der Fahnenstange.

The Future of Bodybuilding

Mit nur 1,72 Meter Körpergröße ist Bonac immer einer der kleinsten Athleten im Starterfeld. Er begeisterte vor allem durch starke Arme mit einem perfekten Bizeps-Peak und einer Form, die immer „on point“ auf die Bühne gebracht wird. Sportlerlegende Jay Cutler bezeichnete Bonac einst als „The Future of Bodybuilding“. Wohl wegen seiner langen Rastazöpfen wird er immer wieder mit Kay Green [https://repone.de/artikel/kai-greene-unter-schwierigsten-bedingungen-in-die-weltspitze/ ] verglichen. Hinsichtlich der Entwicklung seiner Beine hat Bonac gegenüber dem US-Amerikaner allerdings noch einiges aufzuholen.

Geduld statt Geheimrezept

Weder in Bonacs Training noch in seiner Ernährung und Supplementierung lassen sich wirkliche Geheimtipps aufspüren. Ganz bodybuilding-typisch trainiert Bonac im 6er-Split mit einem Restday am Sonntag. Er setzt sowohl auf Maschinen als auch auf Übungen mit freien Gewichten und will keine als die wirklich überlegene Variante ausmachen.

Auch zur Intensität vs. Volumen Debatte kann er wenig beitragen. Nach einigen Aussagen zählt er Wiederholungen meistens noch nicht einmal mit, sondern konzentriert sich lieber auf die Qualität der Bewegung. Immer wieder appelliert Bonac, dass Geduld sehr viel wichtiger ist als die minutiöse Planung des Trainings. Schließlich ist seine eigene Lebensgeschichte hierfür der beste Beweis.

Auch seine Ernährung hält er denkbar simpel mit fünf bis sechs Mahlzeiten am Tag, die sich aus den Bodybuildingklassikern Reis, Hähnchen, Eiklar, Haferflocken und Brokkoli zusammensetzen.

Seit der skandalösen Trennung von seinem ehemaligen Coach Neil Hill, dem er öffentlich Abzocke vorwarf, betreut sich der Afrikaner selbst. Mehr als zwanzig Jahre im Gym sollten auch ausreichen, um die hierfür notwendige Kompetenz aufzubringen.

Und was den Ghanaer besonders auszeichnet: Trotz seiner Engelsgeduld mit der eigenen langfristigen Entwicklung kann er sich im Training in einen brutalen Beast Mode versetzen. Wenn wir eines von ihm lernen können, dann den geschickten Balanceakt zwischen diesen beiden Qualitäten.

(Anti-)Held Bonac

Die Geschichte vom Aufstieg von ganz unten nach ganz oben, allen Hindernissen zum Trotz, begeistert jeden Menschen – das zählt zum Einmaleins des Storytellings im modernen Marketing. Bonac bedient dieses Schema perfekt. Jahrelang verharrte er im undankbaren Mittelfeld des Bodybuildings, genau an jenem unangenehmen Scheidepunkt, an dem der Sport extreme Entbehrungen fordert und doch kaum etwas zurückgibt (zumindest nicht in Bezug auf Geld und Fame). Zwischendurch verlor er seinen Job und wohnte in seinem Auto. Doch Bonac blieb dran. Dafür lieben ihn die Fans.

Seinem Instagram-Account @william_bonac folgen mehr als 860.000 Nutzer. Sein erst kürzlich gestarteter YouTube Channel bringt es schon auf über 12.000 Abonnenten. In Ghana ist Bonac mittlerweile ein Nationalheld.

In seiner Heimatregion Ashanti, in der Stadt Kumasi, läuft unter seinem Namen das Fitnessstudio William Bonac Fitness Temple. Er veranstaltet die NPC-Wettkämpfe Bonac Classic in Ghana und Amsterdam. Er selbst lebt in Beverwijk im Norden Hollands. Bonac ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Über seine schulische und berufliche Ausbildung ist wenig bekannt. Er lebt heute von seinem Online-Coaching und Kooperation mit einem Supplement-, einem Geräte- und einem Gürtelhersteller. Bei Bonac treffen sportliche Höchstleistungen auf ein sympathisches Wesen – und eben eine Biografie, mit der sich viele identifizieren können, bei denen sich Erfolge auch nicht so schnell einstellen wie bei all den neuen Wunderkindern auf Instagram.

Autorin: Ulrike Hacker Bilder: William Bonac, Garamszegi PéterCharles Lowthian

1 KOMMENTAR

  1. Leider trägt William Bonac seit Jahren ein ausgeprägtes Gynäkomastie-Problem mit sich herum. Damit hätte er niemals so hoch platziert werden sollen. Sind die Kampfrichter blind oder ist das in ihren Augen völlig egal? Und das in einem Sport, in dem es angeblich auf „Ästhetik“ ankommt? Zumindest ist das Problem an beiden Brüsten gleich stark ausgeprägt, die Symmetrie bleibt gewahrt…

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