Cedric McMillan: Der Bodybuilder, der es verpasste, die Welt zu erobern

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Es gab Zeiten, in denen Cedric McMillan vielen Fans wie der kommende Mr Olympia vorkam. Masse, Härte, Linie – spätestens im Rahmen seines Sieges bei der Arnold Classic 2017 donnerte der US-Amerikaner ein unwiderstehliches Paket auf die Bühne. Alles schien angerichtet für den ganz großen Triumph. Doch warum kam es nie dazu?

Cedric McMillan war schon immer der Inbegriff von Ästhetik

Cedrics Ästhetik konnte sich schon immer sehen lassen. Als der 1,85 Meter große Athlet Ende der 2000er Jahre die Pro-Card erhielt, waren vielen Experten und Fans gespannt, ob es überhaupt Grenzen für den Emporkömmling mit der atemberaubenden Linie geben würde. Der US-Amerikaner erinnerte viele an die großen Bodybuilder aus den 80er Jahren – ein waschechter Kontrast zu Massemonstern wie Ronnie Coleman oder Jay Cutler.

Als Kind wuchs Cedric in eher bescheidenen Verhältnissen auf. Er bezeichnet sich als Familienmensch und ist nach wie vor eng mit seinen Kumpels aus Kindheitstagen befreundet. Der für einen Profi außergewöhnlich große Athlet zeichnete und schrieb als Jugendlicher gerne, interessierte sich für Musik und Kultur. Kein Wunder also, dass der US-Amerikaner noch heute einen sehr belesenen Eindruck macht.

Dass Cedric über eine Gabe verfügt, die seinesgleichen sucht, zeigen die frühen Erfolge des sympathischen Bodybuilders. Bereits seinen allerersten Amateurwettkampf konnte Cedric für sich entscheiden. Insgesamt dominierte er die Konkurrenz bis zum Wechsel ins Profigeschäft nahezu nach Belieben.

Auch bei den Profis setzte der Ästhet früh erste Ausrufezeichen. Spätestens sein Sieg auf der New York Pro in Jahr 2012 katapultierte den US-Amerikaner ins Favoritenfeld vieler nachfolgender Shows. Ein Podestplatz auf der Arnold Classic 2014 – dem Jahr, in welchem ein gewisser Dennis Wolf den Gesamtsieg einfuhr… Wir erinnern uns gerne daran zurück – schraubte die Erwartungshaltung vieler Fans weiterhin nach oben.

Cedric siegt bei der Arnold Classic 2017

Cedric konnte zunächst liefern. 2016 lieferte sich der belesene Athlet im Rahmen der Arnold Classic ein packendes Kopf-an-Kopf-Rennen mit Kai Greene. Während besagtes Duell knapp an Kai ging, setzte sich Cedric im Folgejahr schlussendlich gegen die Konkurrenz durch und fuhr den Sieg beim zweitwichtigsten Event des Bodybuilding-Kalenders ein.

Besonders die Siegesrede des Hünen dürfte vielen Fans in Erinnerung geblieben sein. Cedric gab sich demütig, ehrte seine Konkurrenten und erlaubte sich so manchen Spaß mit einem sichtlich beeindruckten Arnold Schwarzenegger. Der sympathische Profi mit der wahnwitzigen Linie schien im Begriff zu sein, die Welt zu erobern.

Doch im Bodybuilding stellt der Mr Olympia-Wettkampf bekanntermaßen den ultimativen Gradmesser dar. Im Rahmen des wichtigsten Wettbewerbs der Welt gelang es Cedric nie auch nur im Ansatz, in Topform zu erscheinen. Auch 2017, nach dem Triumph bei der Arnold Classic, ließ der Hüne in Las Vegas einiges vermissen. Mehr als ein trauriger zehnter Platz sprang nicht heraus.

Ein Ausrutscher? Weit gefehlt! Im Folgejahr reichte es nur zu Platz neun, 2019 stand der siebte Rang zu Buche. Während sich Cedric zwischendurch immer wieder in einer tollen Verfassung präsentieren konnte, stimmte die Form auf der Olympia-Bühne leider noch nie.

Im Jahr 2017 sind auch Dallas McCarver (09.04.1991 – 22.08.2017) und Luke Sandoe (03.08.1988 – 07.05.2020) in Columbus gestartet. Mögen Sie in Frieden ruhen.

Warum scheiterte Cedric immer wieder beim Mr. Olympia?

Doch warum? Cedrics Fans erinnern sich sicherlich noch an seine Einlieferung ins Krankenhaus kurz vor dem Mr Olympia-Wettkampf 2015. Dehydriert und in Lebensgefahr schwebend konnte dem US-Amerikaner gerade noch rechtzeitig geholfen werden – Cedric hatte probiert, sich wortwörtlich komplett zu entwässern.

Ob diese böse Erinnerung immer mitschwingt, während die letzten Vorbereitungen für das Mr O-Wochenende anstehen? Wahrscheinlich kann nur Cedric selbst diese Frage wirklich beantworten – wenn überhaupt. Vielleicht hängt die Olympia-Problematik auch mit seinem Vollzeit-Job als Instructor bei der US Army zusammen. Eventuell beansprucht ihn diese Tätigkeit im Sommer – der finalen Vorbereitungszeit auf den Wettkampf – mehr als zu anderen Jahreszeiten? Wir können darüber nur spekulieren.

Sind Cedrics besten Jahren bereits vorüber?

Auch wenn Cedrics Blütezeit langsam in die Geschichte eingeht und eine künftige Mr O-Topplatzierung des Hünen eine waschechte Überraschung darstellen würde, war und ist der US-Amerikaner ein wichtiger Bestandteil der Profiszene. Mehrere Siege auf der Tour und oftmals die längste Schlange bei Meet-and-Greet-Events sprechen diesbezüglich eine deutliche Sprache.

Außerdem zeigte Cedric, dass man auch im modernen Bodybuilding oben mitspielen kann – sein Sieg bei der Arnold Classic beförderte ihn definitiv temporär ins oberste Regalfach – ohne verbal immer gleich auf den Putz zu hauen oder seinen gesamten Alltag dem Sport unterzuordnen. Denn sein Job, die Familie mit vier Kindern und der Freundeskreis kamen beim sympathischen US-Amerikaner den Aussagen seiner Weggefährten nach niemals zu kurz. Und wer weiß: Vielleicht donnert Cedric ja doch noch mal ein Wahnsinns-Pakt auf die Bühne in Las Vegas.

Autor: Nico Schmidt – Bilder: Matthias Busse

 

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