Ronny Rockel: Der Dauerbrenner im Profigeschäft

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Ronny Rockel hat einiges erlebt: Unglaubliche 75 (IFBB-)Profi-Wettkämpfe, sechs Siege auf der Tour, ein später Wechsel der Gewichtsklasse und eine Komplettumstellung von Trainings- und Ernährungsgewohnheiten nach seiner Diabetes-Diagnose im Jahr 2011. The Rock blieb stets authentisch sowie nahbar und stellt einen der wenigen deutschen Bodybuilder dar, dem es gelang, bei Mr. Olympia ins Finale einzuziehen.

Als Ronny in der DDR aufwuchs, konnte er kein Fitness-Studio aufsuchen, denn Einrichtungen dieser Art waren im Osten vor dem Mauerfall eine waschechte Seltenheit. Da es der Chemnitzer dennoch wie viele andere Jugendliche überall auf der Welt in den 80er Jahren seinen Vorbildern Schwarzenegger und Stallone gleichtun wollte, wurde einfach in Sachen Homegym improvisiert.

Simple Eisenstangen und ausgemusterte Zahnräder dienten Ronny als Equipment. Erst nach der Wiedervereinigung wurde der 1,68 Meter-große Athlet Mitglied in einem Studio. Während zuvor in den Osten geschmuggelte Ausgaben der Sport Revue als Informationsquellen dienten, konnte man ab 1990 endlich auch jenseits der ausgemusterten Grenzanlagen institutionell auf Gleichgesinnte treffen.

Alles begann mit einem letzten Platz: Die lange und beeindruckende Karriere von Ronny Rockel

Ronny war talentiert. Er beging im Laufe seiner Amateur- und später Profi-Karriere natürlich immer wieder Fehler, aus welchen er nach eigenen Aussagen jedoch stets lernte. Belegte er 1994 auf einem seiner ersten Wettkämpfe (der hessischen Meisterschaft) noch den letzten Platz, fuhr er im Folgejahr bereits den Sieg auf der Deutschen Meisterschaft ein und landete im Rahmen einer Weltmeisterschaft auf dem dritten Platz.

Die erfolgreiche Amateurkarriere nahm ihren Lauf. Drei zweiten Rängen beim Mr. Universum und einem Weltmeistertitel folgte im Jahr 2002 schließlich der Gesamtsieg auf der Internationalen Deutschen Meisterschaft des DBFV. Besagter Erfolg brachte dem Ostdeutschen die Pro-Card des IFBB ein.

Schritt für Schritt ins Konzert der Großen

 Der anschließende Wechsel zu den Profis trug wenige Jahre später erste Früchte. Zahlreiche Podestplatzierungen konnte Ronny zwischen 2005 und 2008 einfahren, darunter seinen ersten Tour-Sieg in Australien (2006). Der Ostdeutsche stieß langsam aber sicher ins Konzert der Großen vor und begann, sich im Anschluss auch auf den prestigeträchtigsten Bühnen dieser Welt zu präsentieren.

Bei seinem ersten Olympia-Auftritt im Jahr 2009 verpasste The Rock den Finaleinzug als Siebter denkbar knapp. Auf seiner ersten Arnold Classic gelang dem Bodybuilder wenige Monate später besagtes Kunststück, auf der darauffolgenden Mr Europe Pro fuhr er im Anschluss sogar seinen zweiten Sieg bei den Profis ein.

Ronny befand sich auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Ein weiteres absolutes Highlight stellte sein Finaleinzug bei Mr Olympia 2010 dar. Es gelang dem Deutschen, Bodybuilding-Größen wie Víctor Martínez oder Toney Freeman und sogar den aufstrebenden Kai Greene in die Schranken zu weisen – ein wahnsinniger Erfolg.

Bodybuilding mit Diabetes

Nachdem Ronny 2011 die Diagnose Diabetes erhalten hatte, musste der Ostdeutsche viele Gewohnheiten verändern. Die Krankheit liegt in seiner Familie und so war er durchaus mit den Begleiterscheinungen wie der Tatsache, sich ständig Insulin spritzen zu müssen, vertraut. Doch wie lässt sich professionelles Bodybuilding mit einer Diabetes des Typ 2 vereinen?

Die Ursache für den Ausbruch einer Diabetes vom Typ 2 stellt eine Insulinresistenz der eigenen Zellen dar. Regelmäßige Überzuckerung des Körpers sorgt dafür, dass mehr und mehr Insulin ausgeschüttet wird. Besagtes Hormon ist für den Abbau der Kohlenhydrate (Zucker) verantwortlich. Der Körper gewöhnt sich an den konstant hohen Insulinspiegel, weshalb immer weniger Zucker aus dem Blut abgebaut wird. Dies hat einen immer höheren Blutzuckerspiegel zur Folge – negative Auswirkungen lassen dann nicht mehr lange auf sich warten.

Ronnys Diabetes entwickelte sich schleichend. So stellte er bereits weit vor 2011 fest, dass beispielsweise eingeschränkte Sehfähigkeit eintrat, nachdem er im Rahmen eines Wettkampfs Kohlenhydrate geladen hatte – ein typisches Symptom für die Krankheit. Müdigkeit, extremes Durstgefühl, Beeinträchtigungen beim Training: Irgendwann ließen sich die Begleiterscheinungen nicht mehr ignorieren.

Es gelang dem Ostdeutschen, seine Krankheit mit der Bodybuilding-Karriere zu vereinen. Kurzkettige Kohlenhydrate waren von nun an Tabu, außerdem stellte Fett fortan den wichtigsten Energielieferanten dar. Low Carb auch in der Offseason – für Ronny glücklicher Weise offenbar kein allzu großes Problem.

Nach 2011 gelang es allerdings zunächst nicht mehr, das alte Level zu erreichen. Natürlich hatten die enormen Umstellungen Auswirkungen auf Ronnys Wettkampfvorbereitungen und seine Psyche. Trotzdem ließ er sich nicht unterkriegen und fuhr 2014 seinen vierten Profi-Sieg in Kalifornien ein.

Deutsche Meisterschaft DBFV 2002: Gesamtsieg für Ronny Rockel

Ronny Rockels Wechsel in die 212er-Klasse

Im Jahr 2016 entschloss sich The Rock dazu, ein neues Kapitel aufzuschlagen: Er wechselte die Gewichtsklasse. Statt im offenen Teilnehmerfeld strebte der Ostdeutsche fortan Starts in der 212er-Klasse an. Bodybuilder in besagtem Starterfeld dürfen das zulässige Maximalgewicht von 212 Pfund (ungefähr 96 Kilogramm) nicht überschreiten.

Für Ronny bedeutete dies konkret, sich mit ungefähr zehn Kilogramm Wettkampfgewicht weniger als in früheren Tagen auf der Bühne zu präsentieren. Kein leichtes Unterfangen – in Sachen Masse musste The Rock auf das Niveau seiner ersten Profitage zurückkehren.

Die Rechnung ging auf. Auf seinem ersten 212er-Wettkampf, der Mozolani Pro 2016, belegte Ronny den zweiten Rang und qualifizierte sich für das Starterfeld beim Mr. Olympia. Auch wenn es in Las Vegas im Anschluss nur zum neunten Platz reichte, visierte The Rock eine weitere Saison in der neuen Klasse an.

Ein Jahr später, 2017, gelang es Ronny besonders in der ersten Jahreshälfte ein tolles Paket zu schnüren. Zunächst siegte der Ostdeutsche in New York, eine Woche später gewann The Rock schließlich auch das 212er-Feld in Toronto. Zwei Profisiege innerhalb von wenigen Tagen, auch noch vor nordamerikanischem Publikum – Ronnys Karriere war um einen Höhepunkt reicher.

Das Karriereende von Ronny Rockel

Langsam aber sicher zollte der Körper den Leistungen aus der Vergangenheit im Anschluss Tribut. Wettkampfvorbereitungen gestalteten sich – auch aufgrund des omnipräsenten Diabetes – zunehmend schwieriger, außerdem musste Ronny Ende 2018 eine Beinverletzung hinnehmen.

So reifte langsam der Gedanke an ein Karriereende. Mehr Zeit für Frau und Tochter, für finanziell lukratives Personal Training und andere Tätigkeiten statt eigener Wettkampfvorbereitung – irgendwann musste dieser Schritt ohnehin getätigt werden.

Heute ist Ronny hauptsächlich als Trainer aktiv. Seine Ausbildung zum Fitnessfachwirt kommt ihm definitiv zugute: Neben puren Wettkampfvorbereitungen kann The Rock in Sachen Reha und Breitensport einer deutlich vielseitigeren Masse seine Dienste anbieten.

Unter anderem die stetige Begleitung durch Team Andro und Rep One brachte Ronny über die Jahre zahlreiche Fans ein. The Rock war stets authentisch, blieb immer bodenständig und sprach häufig einfach aus, was ihm durch den Kopf ging. Er lebte seine gesamte Karriere lang in Deutschland, blieb einfach ein ganz normaler Typ und stand trotzdem im Rahmen des Finales bei Mr Olympia Seite an Seite mit Jay Cutler oder Phil Heath.

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