Arnold Schwarzeneggers letzter Olympia-Sieg

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Arnold Schwarzenegger 1980

Die Geschichte des Bodybuildings steckt voller strittiger Entscheidungen. Das bringt die Subjektivität des Sports mit sich. Der Sieg auf dem Mr. Olympia 1980 durch Sieg Arnold Schwarzenegger fällt unter allen Kontroversen besonders negativ auf. Hier kommt eine kurze Zusammenfassung eines Skandals, der einige Beteiligte bis heute um den Schlaf bringen dürfte.

Der Weg zum Mr. Olympia

Die Person Arnold Schwarzenegger bedarf eigentlich keiner weiteren Erklärung, doch widmen wir uns hier einmal der Vollständigkeit halber seinem Leben vor 1980. Schwarzenegger wurde 1947 in Österreich geboren. Er wuchs in einem militärisch strengen Elternhaus auf, in dem eigentlich nicht viel Raum für persönliche Entfaltung blieb. Trotzdem wusste er früh, was er wollte: Nachdem er als Teenager gut gebaute Rettungsschwimmer beobachtet hatte, träumte er davon, Bodybuilder zu werden, den Mr. Universe zu gewinnen und in die USA auszuwandern.

Mit 16 stand Arnold Schwarzenegger das erste Mal auf der Bühne. Noch vor seinem 20. Geburtstag war er bereits unter anderem Mr. Europe und Titelträger des Mr. Universe Amateur. Mit dem Mr. Universe Pro-Titel 1968 erfüllte sich sein Traum: Joe Weider höchstpersönlich holte das Talent nach Kalifornien. Gemeinsam mit dem Italiener Franco Columbo sollte Arnold Schwarzenegger ein legendäres Trainingsgespann bilden.

Es folgte eine beispiellose Karriere. Den ersten Titel auf dem Mr. Olympia fuhr Schwarzenegger 1969 ein. Danach siegte er von 1970 bis 1975 sechsmal in Serie. Im Anschluss trat er vom aktiven Wettkampfsport zurück, um sich seiner Schauspielkarriere zu widmen – nur eine Abkehr auf Zeit, wie wir heute wissen.

Die Zeit nach 1975

Nach seinem Rücktritt blieb Arnold Schwarzenegger dem Bodybuilding eng verbunden. Gemeinsam mit dem wohlhabenden Versicherungsvertreter Jim Lorimer veranstaltete er den Mr. Olympia von 1975 bis 1979. Er sorgte für eine Erhöhung der Preisgelder und eine zunehmende Professionalisierung des Events. Der heutige Stellenwert des Mr. Olympias ist auch auf das Engagement des Österreichers zurückzuführen.

So kam es zum Start auf dem Mr. Olympia 1980

Auf die Idee zum Comeback fast fünf Jahre nach seinem Rücktritt war Arnold Schwarzenegger gar nicht von selbst gekommen. Ende der 70er-Jahre bereitete er sich auf seine Hauptrolle in Conan der Barbar vor. Die Härte seines Trainings stand der einer Wettkampfvorbereitung in nichts nach.

Entsprechend bewegte sich auch Schwarzeneggers Körper immer mehr in Richtung Bühnenform. Und so kam es, dass ihn einige enge Freunde und Bekannte zu einer Teilnahme am Mr. Olympia 1980 zu überreden versuchten. Auch Joe Weider befürwortete die Idee. Schwarzeneggers damalige Freundin Maria Shriver stärkte ihm ebenfalls den Rücken.     

So beugte er sich schließlich der Überzeugungsarbeit seines Umfeldes. Er sagte später, er hätte eines Tages direkt nach dem Aufwachen eine Art Heureka-Moment gehabt, in dem ihm klar geworden war, dass er doch noch einmal auf die Bühne gehörte.

Dass er die Teilnahme dann noch wochenlang geheim hielt, sei eine vorbeugende Maßnahme gewesen. Er habe befürchtet, dass seine Konkurrenten bei einer Bekanntgabe reihenweise absagen würden. Das wollte er den Fans nicht antun.

Arnold Schwarzenegger: Ein Auftritt auf dem Nichts

Dennoch waren Gerüchte über ein Comeback Schwarzeneggers auf dem Mr. Olympia in Umlauf gekommen, die jedoch bis zum Tag vor dem Wettkampf nicht bestätigt wurden. Schwarzenegger konnte zwar seine Reise nach Australien, wo der Mr. Olympia 1980 im Sydney Opera House ausgetragen wurde, nicht verheimlichen. Offiziell war er aber als Kommentator eingeflogen.

Die Kampfrichter, Athleten und Trainer erfuhren die Wahrheit dann erst am Vortag. Das Echo fiel gemischt aus: Während einige Konkurrenten nahezu aus der Haut fuhren, zeigten andere fast schon Mitgefühl für Arnold Schwarzenegger. Sie ahnten, dass er in einer mehr als bescheidenden Form auflaufen und dadurch seinem Legendenstatus schaden würde.

Sein enger Bekannter Frank Zane dürfte menschlich schwer enttäuscht gewesen sein. Er hatte selbst aufgrund einer Verletzung lange Zeit den Sinn seiner Teilnahme angezweifelt und sich in seiner Ratlosigkeit an Schwarzenegger gewandt. Erst auf dessen Ermutigung hin stellte er sich der Herausforderung. Nun war der einstige Vertraute aus dem Nichts zu einem Konkurrenten geworden.

Der Vorabend: Eklat auf dem Athletenmeeting

In der ohnehin angespannten Stimmung trat Schwarzenegger dann noch sehr divenhaft auf dem Athletenmeeting am Vorabend des Mr. Olympia auf. Der Österreicher plädierte für eine Wiedereinführung zweier Klassen für Athleten unter-, bzw. oberhalb von 200lbs Körpergewicht. Diese Aufspaltung war grade 1979 eliminiert worden und alle im Meeting anwesenden Athleten hatten eine Petition für die Abschaffung unterschrieben. Ob sich Schwarzenegger von der Wiedereinführung einen sportlichen Vorteil erhoffte oder einfach nur gegen den Strom schwimmen wollte, ist ungewiss.

Es kam in jedem Fall zu offenen Anfeindungen und beinah körperlichen Auseinandersetzungen zwischen ihm und Mike Mentzer, einer der Favoriten auf den Mr. Olympia-Titel war. Am Ende beschwichtigte Joe Weider den Disput und Schwarzenegger zog seinen Antrag zurück.

Der Wettkampf: Arnold Schwarzenegger in seinem Element

Und dann war die Nacht der Nächte gekommen, der 4. Oktober 1980. Das Publikum hatte noch nichts von der Rückkehr des Titanen erfahren. Überflüssig zu erwähnen, dass mit Schwarzeneggers Betreten der Bühnen ein Raunen durch die Menge ging. Im positiven Sinne: Die Zuschauer im Opernhaus bekamen nun wirklich etwas geboten für ihr Geld und hießen den Megastar herzlich willkommen.

Dass Arnold Schwarzenegger dabei nicht annähernd in der Form seiner Glanzzeit auftrat, war für die Fans erstmal weniger wichtig. Doch die Schwächen vor allem in seinen Beinen und in der Mittelpartie waren unübersehbar. Nach dem spontanen Flug und einer Cortisolspritze gegen seine Schulterbeschwerden fehlte ihm neben Muskelmasse auch einiges an Härte. Daran hatte auch stundenlanges Posen im Hotelzimmer in der Nachtzuvor wenig geändert.

Schwarzenegger wusste aber bekanntlich schon immer seine Defizite durch eine gute Präsentation auszugleichen. Nicht nur seine 1,88 Meter stellten die eigentlich besser konditionierten Gegner in den Schatten, sondern auch sein Showtalent. „The Austrian Oak“ zog mal wieder alle Aufmerksamkeit auf sich. Und das um jeden Preis.

Nachdem er die eigentlich vom Kampfgericht geforderten Posen ständig eigenwillig durch seine vorteilhafteren ersetzte und immer wieder aus der Aufstellung der Athleten hervortrat, erhielt er gar eine Disqualifikationsverwarnung. Zwischenzeitlich betrat sein Wegbegleiter Franco Columbo die Bühne, um ihm die Anweisung zu geben, sich ins günstigere Licht zu stellen.

Ein engagierter Auftritt also, aber nicht sein sympathischster. Der Australier Roger Walker, der bei seinem Heimspiel den sechster Rang belegte, bezeichnete Schwarzenegger später schlicht als „Arschloch auf der Bühne“.

Die Ergebnisverkündung

Nach mehreren Vergleichen und dem abschließenden Posedown wurde Schwarzenegger von der Jury zum Sieger ernannt. Der Amerikaner Chris Dickerson wurde trotz deutlich besserer Form auf Platz Zwei gesetzt, dahinter folgten Frank Zane, Boyer Coe und punktgleich der Titelaspirant Mike Mentzer.

Im Publikum rief die Ergebnisverkündung gemischte Reaktionen hervor. Einige feierten die Gallionsfigur ihres Sports bedingungslos. Doch aus vielen Ecken waren auch Buhrufe zu vernehmen.

Eindeutiger dagegen die Stimmung unter den Athleten: Mentzer quittierte die Übergabe seiner Trophäe für den geteilten vierten Platz mit einem lauten „Bullshit!“ und ließ sie beim Abgang genau wie Coe einfach auf der Bühne zurück. Zane zerbrach den Pokal sogar. Er scheint keine Erinnerung gewollt zu haben an einen Wettkampf, in dem er sich von einem vermeintlichen Freund verraten fühlte.

Schwarzenegger selbst fühlte sich für alle sichtbar auch nur mittelmäßig wohl mit der Situation. Er hielt eine äußerst knappe Dankesrede und verließ dann fluchtartig die Bühne.

Die Schuldsuche bei den (Un-)Parteiischen

Der Sieg, da war sich die Fachwelt sofort einig, war unverdient an Schwarzenegger gegangen. In der gebotenen Form wäre eher ein achter oder neunter Platz angemessen gewesen.

Bei der Schuldsuche stand vor allem immer die Zusammensetzung des Kampfgerichtes in der Kritik. Ursprünglich war Bill Pearl als Head Judge vorgesehen gewesen. Der legte jedoch aufgrund von Befangenheit seinen Posten nieder, da er Chris Dickerson auf den Wettkampf vorbereitet hatte. Ein wünschenswert sportliches Vorgehen, bekanntlich aber keine Selbstverständlichkeit im Bodybuilding.

Die Jury beim Mr. Olympia 1980

In der Jury des Mr. Olympia 1980 saßen auffallend viele Personen, die Schwarzenegger recht nahestanden. Darunter der Deutsche Albert Busek, der später sogar der Patenonkel seines Sohnes werden sollte und sein hawaiianischer Freund Mits Kawashima, um hier nur einige zu nennen. Pearl behauptete später sogar, Schwarzenegger habe sich erst für den Wettkampf angemeldet, als ihm die Besetzung des Schiedsgerichtes mitgeteilt wurde.

Allein die Tatsache, dass der Veranstalter Paul Graham mit Schwarzenegger befreundet war, erweckte Misstrauen. Graham hatte viel Geld an Joe Weider gezahlt, um den Mr. Olympia endlich nach Australien zu holen. Die fast väterliche Verbindung zwischen Schwarzenegger und Weider ist hinlänglich bekannt. War allen Beteiligten daran gelegen, Weiders Liebling und Zugpferd des Bodybuildings für seine Rückkehr auf die Bühne zu prämieren?

Graham selbst sagte nur, dass Schwarzenegger wohl tatsächlich nur 75% seines Potenzials gezeigt hätte, aber „selbst 75% Schwarzenegger reichen eben aus für den Sieg.“

Die Konsequenzen aus Arnold Schwarzeneggers Auftritt

Der 4. Oktober 1980 sollte weitreichende Konsequenzen haben. Der amerikanische Sender CBS entschied sich direkt nach der Veranstaltung, die gemachten Aufnahmen nicht auszustrahlen und beendete die Zusammenarbeit mit dem Verband.

Frank Zane und Boyer Coe sagten alle Folgewettkämpfe der Saison ab. Alle Finalisten vereinbarten, den Mr. Olympia fortan zu boykottieren. Dickerson stand dennoch 1981 in Columbia auf der Bühne, um wiederum umstrittener Zweiter zu werden. Die anderen Geschlagenen blieben ihrem Schwur treu. Mike Mentzer beendete seine Sportlerkarriere aus Trotz sogar gleich ganz.

Zudem gab es Änderungen am Regelwerk. Nach 1980 durfte das Kampfgericht nicht mehr vom Veranstalter bestimmt werden, sondern wurde von einem IFBB-Gremium ausgewählt. Zu wesentlichen Verbesserungen hat das aber nicht geführt. Schon im Folgejahr wurde mit Franco Columbo ein weiterer fragwürdiger Mr. Olympia gekürt. Schwarzenegger war nun nicht mehr Teilnehmer, aber immer noch Mitorganisator. Dass einer seiner engsten Freunde ihn jetzt auf dem Siegerpodest beerbte, war nach Meinung vieler auch nicht allein mit sportlicher Leistung zu begründen.

Arnold Schwarzenegger beim Mr. Olympia 1980: Viel Lärm um nichts?

Natürlich wurde Schwarzenegger in den Folgejahren immer wieder auf den Eklat von Sydney angesprochen. Er äußerte sich stets zurückhaltend. Die Kampfrichter hätten eben ihre Entscheidung getroffen. An Protestrufe aus dem Publikum erinnere er sich nicht mehr.

Was war das also 1980? Ein geschenkter oder schlimmstenfalls gekaufter Triumph? Ein Akt der Diskriminierung gar – schließlich war der Zweitplatzierte Dickerson dunkelhäutig und homosexuell?

Bodybuilding ist subjektiv. Und: Es ist ein Präsentationssport. Aber wie viel Gewicht darf der Bühnenpräsenz eingeräumt werden? Wie viele Schwächen darf Charisma kompensieren? Seither sind mehr als 40 Jahre vergangen. Wir stellen immer noch die gleichen Fragen.

Wir stellen auch immer noch die Frage, ob Schwarzenegger nicht über seine gesamte Karriere hinweg überbewertet war. Schließlich waren unter seinen Mr. Olympia-Siegen auch einige, die nur aufgrund von Mangel an Konkurrenten vergeben wurden. Und Arnies Charme sind nicht nur die Kampfrichter in Sydney reihenweise erlegen.

Was wir aber ganz sicher wissen ist: Arnold Schwarzenegger hat wahnsinnig viel für den Sport getan. Sollte 1980 wirklich ein Geschenk gewesen sein, dann ist es nicht an den Falschen gegangen. Und wen es beruhigt: Den Titel des erfolgreichsten Bodybuilder aller Zeiten hat er später ohnehin an Lee Haney und Ronnie Coleman verloren. Daran hat sein letzter Titel vor dem endgültigen Rücktritt nichts ändern können.

 Autorin: Ulrike Hacker | Titelbild: Youtube

2 KOMMENTARE

  1. Zum Artikel Arnold Schwarzeneggers letzter Olympia-Sieg von Ulrike Hacker!
    1969 hat Arnold leider nicht den Mr. Olympia eingefahren. Er wurde nur 2. hinter Sergio Oliva, der den Titel 1967 bis 1969 3x in Folge gewann.
    Schlecht recherchiert oder schlecht ausgedrückt.

  2. Hallo,
    nach studieren der Ergebnisliste konnte man als Fachmann feststellen, dass lt.Jurywertung Schwarzenegger nur wenige 1.Plätze erhielt , aber bei den anderen Favoriten eben die 1. Plätze sehr unterschiedlich verteilt waren. Mike Mentzer war hier nur 4 oder 5. Arnold erhielt aber dadurch auch viele 2. Plätze und daher günstige Punkte, während seine Konkurrenten sehr unterschiedliche Platzierung erhielten und durch diese Punkteverteilung eben keine Siegchance hatten.
    Richtig ist natürlich bei einem Wettkampf, der individuell Bewertet wird, die Ausstrahlung, das Charisma, das diesem Sport auch über eventuelle Fehler hinweghelfen kann, da diese dann positiv gesehen werden.
    Damals wurde auch das Posing stark in die Wertung einbezogen, auch hier war Arnold ja führend.
    Dies führte dann zur Entscheidung für Arnold, der ja bei einigen der 7 Pflichtposen noch immer Vorteile hatte.
    Als ehemaliger Profi- und Amateurkampfrichter kann ich das Beurteilen.
    Übrigens lag bei der Pro-League keine offizielle Regeländerung auf nur 1 Klasse vor, die wurde erst nach Arnolds Antrag in einer kurzfristig einberufener Delegiertenversammlung vor der Mr.O.Wahl offiziell.

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