Jay Cutler: Über Mammutaufgaben zum viermaligen Mr. Olympia

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Der lange Weg zum Mr.Olympia 

Den scheinbar unbesiegbaren Ronnie Coleman zu entthronen, oder sich erstmals in der Geschichte von Mr. Olympia den zuvor auf der Bühne verlorenen Titel zurückzuerobern – Jay Cutler scheute wahrlich keine Mammutaufgabe. Sein Dauerduell mit Big Ron ist genauso legendär, wie das große Comeback, oder die Tatsache, seinen Nachfolger Phil Heath höchstpersönlich mit darauf vorbereitet zu haben, die Wachablösung vorzunehmen. Wir werfen einen Blick auf die ungewöhnliche Laufbahn des viermaligen Mr. Olympia.

Jay war bereits als Kind ein Muskelpaket. Er gehörte immer zu den Stärksten, weil er auch von Beginn an körperlich arbeitete. Zunächst packte er auf dem Bauernhof seiner Eltern mit an, später arbeitete er im Zementwerk seines älteren Bruders. Nebenbei durften sportliche Betätigungen niemals fehlen. In Sachen Bodybuilding startete der US-Amerikaner mit 18 Jahren durch.

Der kommende Superstar stand nur ein Jahr nach seinem Trainingsbeginn erstmals auf der Bühne und fuhr wenig später erste respektable Ergebnisse ein. Wie bei vielen anderen Legenden, richtete Jay seinen Fokus von Beginn an auf den Wettkampfsport – mit seiner ästhetischen Erscheinung war der heute 46-jährige nach eigenen Aussagen bereits zuvor durchaus zufrieden.

1993 stellte ein richtungsweisendes Jahr für Jay dar. Neben seinem College-Abschluss in Kriminalrecht, durfte der äußerst motivierte Amateursportler einen ersten größeren sportlichen Erfolg verbuchen: Der damals 21-jährige triumphierte beim NPC Iron Bodies Invitational und potentielle Sponsoren wurden auf das Talent aufmerksam. Als sich auch in den kommenden beiden Jahren starke Ergebnisse bei prestigeträchtigen Amateurwettkämpfen wiederholten, beschloss Jay, alles auf eine Karte zu setzen: Der blonde Ausnahmeathlet entschied sich dazu Profi zu werden.

Noch heute betont Jay oft, dass er im Laufe seiner Karriere glücklicherweise die richtigen Leute zum richtigen Zeitpunkt kennen lernen durfte. In den neunziger Jahren – irgendwann während der Hochzeiten von Dorian Yates und Ronnie Coleman – gierte man als Redakteur einer Fachzeitschrift oder Manager einer Supplement-Marke nach der goldenen Mischung zwischen brutaler Muskelmasse und stimmigen Proportionen. Markenzeichen, wie eine atemberaubende Linie oder die in den Siebzigern und Achtzigern noch unverzichtbare schmale Taille, rückten in den Hintergrund – und der junge Jay Cutler bediente exakt das Gesuchte.

Natürlich war der Blondschopf nicht der einzige Athlet, auf den diese Aussage zutraf. Doch obwohl er Mitte der neunziger Jahre noch weit davon entfernt war, seinen ersten Profiwettkampf zu gewinnen, lichtete man Jay in Magazinen ab und stattete ihn mit ersten Sponsoring-Verträgen aus. Seine Fähigkeiten, ohne nennenswerte Hemmschwelle auf Leute zuzugehen, schnell Netzwerke knüpfen zu können und Erwartungen und Ziele klar zu formulieren, kamen gut an in der sonnigen Welt Kaliforniens. Joe Weider persönlich ermöglichte Jay die Unterzeichnung einer seiner ersten Verträge. Mehr oder weniger ungesehen, wie der spätere Superstar retrospektiv erzählte. Der ehemalige Chefredakteur vom renommierten Magazin Muscle & Fitness, Bill Geiger, hatte sich für den Jungspund eingesetzt – Grund genug für Joe, auf das vermeintliche Supertalent zu setzen.

Jay Cutler & Joe Weider

Der Stern des Jay Cutler ging endgültig im Jahr 2001 auf. Zuvor konnte der US-Amerikaner erst einen einzigen Profiwettkampf gewinnen, und doch erschien er bei Mr. Olympia in einer Form, die beinahe dazu gereicht hätte, den großen Ronnie Coleman zu entthronen. Nach besagtem zweiten Platz beim wichtigsten Bodybuilding Wettkampf auf diesem Planeten startete der Blondschopf so richtig durch: Von 2002 bis 2004 fuhr Jay jeweils Gesamtsiege auf der Arnold Classics ein und jagte den großen Ronnie fortan unermüdlich.

Die Schlacht der Monster hatte es in sich. Nach 2001 war der davor unangefochtene Ronnie Coleman plötzlich dazu gezwungen, seine atemberaubende Muskelmasse mit zuvor leicht abhanden gekommener Härte und einer verbesserten Linie weiter zu verbessern. Denn wann immer Big Ron sein bombastisches Gesamtpaket präsentierte, tauchte Jay mit einem konkurrenzfähigen Erscheinungsbild auf und setzte alles daran, dem amtierenden Champion den Titel zu entreißen.

Beide Athleten brachten Jahr für Jahr unglaubliche und seitdem – in den Augen vieler Fans – nie wieder erreichte Leistungen auf die Bühne. Ronnie erreichte bei 1,80 Meter Körpergröße ein wahnwitziges Wettkampfgewicht von bis zu 135 Kilogramm. Der um ein paar Zentimeter kleinere Jay präsentierte den Zuschauern ungefähr 125 Kilogramm. Letzterer legte häufig im Vergleich zum Vorjahr immer noch ein wenig zu und biss sich dennoch stets die Zähne an Big Ron aus – und trotzdem probierte es Jay immer wieder.

Sein Unterfangen kam ihm nach eigenen Aussagen manchmal nahezu hoffnungslos vor. Seit einer gefühlten halben Ewigkeit war kein amtierender Mr. Olympia mehr auf der Bühne entthront worden. Ob Arnold Schwarzenegger, Lee Haney oder Dorian Yates – seit 1980 hatten alle Sieger ihren Titel nur aufgrund ihres Rücktritts abgeben müssen.

Jay unterschied sich besonders in Sachen Lifestyle von seinen Konkurrenten. Er betonte in Interviews nach seinem Karriereende immer wieder, sich mit einigen Bodybuildern mit wahrscheinlich besseren genetischen Anlagen gemessen zu haben. Im Laufe der Zeit gelang es ihm allerdings stets, besagte Athleten zu übertrumpfen, da diese in den Augen des Blondschopfs nicht das Optimum aus ihren Voraussetzungen herausholten. Denn für Jay war Bodybuilding ein 24/7-Job. Im Gegensatz zu Ronnie Coleman, der auch als amtierender Mr. Olympia zunächst noch als Polizist tätig war, ordnete der heute in Las Vegas lebende Musterprofi seinen Zielen alles unter. Training, Ernährung, Regeneration – seine Exfrau hob Anfang der 2000er Jahre einmal hervor, wie eintönig Jays Leben Außenstehenden wahrscheinlich vorkommen dürfte.

Wie bereits erwähnt: Dieses Ausmaß an Opferbereitschaft brachte Jay auf, obwohl er sein großes Ziel, Mr. Olympia zu werden, aufgrund von Ronnie zunächst Jahr für Jahr knapp verfehlte. Große Sprüche auf den Pressekonferenzen, kleinere Rangeleien auf der Bühne und ein wenig Trash Talk im Vorfeld der Wettkämpfe – die beiden Massemonster lieferten eine großartige Show. Großartig auch deshalb, weil beide Konkurrenten unglaublich viel Respekt voreinander hatten. Ob am Mikro, auf der Bühne oder im Gym: Wenn einer der beiden zu Sticheleien ansetzte, dann immer mit einem Grinsen und niemals unterhalb der Gürtellinie. Faire Gratulationen und Wertschätzungen des Kontrahenten gehörten eben genauso dazu wie besagte Provokationen. Eine großartige Zeit!

Während Ronnie langsam in die Jahre kam, lauerte Jay geduldig auf sein Ziel. 2003 und 2004 donnerte Big Ron jeweils ein überragendes Gesamtpaket auf die Bühne. Jay erkannte dies unmittelbar nach dem Wettbewerb an und versprach stets, im kommenden Jahr noch stärker zurück zu kommen. Ohne seinen Atem in Ronnies Nacken hätte die Welt wohl niemals einen derart beeindruckenden Bodybuilder wie den King in Höchstzeiten begutachten dürfen.

Und irgendwann, genauer gesagt im September 2006, war es aus Jays Sicht endlich soweit: Ronnie tauchte durchaus formstark auf, doch sein jüngerer Herausforderer brachte auf die Bühne, was man von einem Mr. Olympia erwartete. Dem King blieb der neunte Titelgewinn in Folge verwehrt, die lang ersehnte Wachablösung war perfekt. Als der Name Jay Cutler schließlich ausgerufen wurde, grinste der Blondschopf nur kurz und ging anschließend auf Ronnie zu, um ihn zu umarmen und dem Publikum durch gemeinsames Hochreißen der Arme seine Wertschätzung für den ewigen Konkurrenten zu verdeutlichen. Der vormals faire Verlierer präsentierte sich auch als ein guter Gewinner – und erntete durch sein Verhalten viel Anerkennung vom amerikanischen Publikum.

Wer nun denkt, die Story des Jay Cutler sei mit diesem Triumph vorüber, irrt sich gewaltig. Denn dem viermaligen Champion sollte eine weitere Mammutaufgabe gelingen: Ein zuvor nie dagewesenes Comeback.

Ronnie trat 2007 zwar noch einmal an, doch die Lücke zu Jay war nun zu groß geworden, um ein nennenswertes Wörtchen um den Titel mitzusprechen. Der einstige Dominierende verpasste mit dem vierten Platz das Treppchen und musste plötzlich Athleten weichen, die zwar in Puncto Muskelmasse nicht ganz mithalten konnten, allerdings in Sachen Linie und Ästhetik punkteten. Jay holte sich den zweiten Titel in Folge, Víctor Martínez und Dexter Jackson kamen dem amtierenden Champion gefährlich nah.

Nur ein Jahr später, dem ersten Mr. O-Wettkampf nach Ronnies Rücktritt, präsentierte sich Jay in keiner überragenden Verfassung. Besonders am Samstag mangelte es an Härte, während ein deutlich schlankerer Dexter sein bestmögliches Paket präsentierte. Als letzterer dann am Sonntag zum Sieger erkoren wurde, lächelte Jay höflich und gratulierte seinem Bezwinger gewohnt würdevoll. Doch hinter den Kulissen sank der entthronte Blondschopf wenig später erwartungsgemäß völlig enttäuscht zusammen und nicht wenige Experten tippten auf das Karriereende des vormaligen Titelträgers.

Weit gefehlt! Jay berichtete später, er habe sich nur kurze Zeit nach seiner vielleicht bittersten Niederlage in den Kopf gesetzt, den Titel zurückzuerobern. Er trainierte härter und lebte disziplinierter als jemals zuvor – obgleich es zahlreichen Kennern der Szene unwahrscheinlich vorkam, dass die Judges einen gestürzten Champion erstmals in der Geschichte von Mr. Olympia wieder ganz oben auf den Zettel hieven würden. Mit Arnold Schwarzenegger und Franco Columbu kam es zu Beginn der achtziger Jahre zwar zwei Mal vor, dass ein ehemaliger Sieger den Titel zurückeroberte, doch beide befanden sich zuvor in einer freiwilligen Wettkampfpause und verloren ihre Trophäe nicht auf der Bühne. Ein waschechtes Comeback, wie Jay es anpeilte, hatte es bis dato noch nicht gegeben.

Auch wenn das Teilnehmerfeld 2009 sicher nicht zu den stärksten in der Historie des prestigeträchtigsten Wettbewerbs der Welt zählte, Jays Leistung war bemerkenswert. Turmhoch dominierte er die Konkurrenz. Mit Dexter Jackson und Víctor Martínez enttäuschten zwei der Favoriten und die jungen Wilden um Phil Heath und Kai Greene hatten noch nicht das Zeug dazu ganz oben mitzumischen. So war wohl jedem Zuschauer in der Orleans Arena klar, dass nicht der zweitplatzierte Branch Warren, sondern eben das blonde Massemonster mit dem Kämpfergen zum Champion ausgerufen werden würde – Jay hatte sein großes Ziel, mindestens drei Sandow-Trophäen einzuheimsen, erreicht.

Im Anschluss zeichnete sich eine erneute Wachablösung ab. Und im Gegensatz zu einigen seiner Vorgänger stieß dem Blondschopf besagte Veränderung nicht unbedingt sauer auf: Phil Heath, sein Trainingspartner und Freund, scharrte bereits mit den Hufen. 2011 setzte sich Jay noch knapp im Kopf-an-Kopf-Duell gegen den kommenden Superstar durch. Ein Jahr später war dann Phil an der Reihe. Man hatte das Gefühl, Jay konnte sehr gut damit leben, ausgerechnet von jemandem entthront zu werden, den er persönlich über einen langen Zeitraum gefördert hatte. Seine großen Ziele, zunächst den unbesiegbar erscheinenden Ronnie Coleman zu entthronen und später mit einem nie dagewesenen Comeback seinen ersehnten dritten Titel zu erobern, hatte der auch heute noch sehr beliebte Superstar erreicht.

Seit dem Ende seiner aktiven Karriere tut Jay, was Dorian, Ronnie und viele andere Legenden ebenfalls taten und größtenteils nach wie vor tun: Er vertreibt seine eigene Supplement-Marke, eigenes Merchandise und tourt um den Globus, um sein Geschäft zu promoten und Seminare abzuhalten. Daneben ist der Blondschopf auf Social Media sehr aktiv – seine Meinung hat nach wie vor viel Gewicht in der Welt des Bodybuildings.

Quelle Bilder: Jay CutlerKevin HortonMUSCLETIMEMatthias BusseIFBB Pro LeagueFlex Online

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