Fake Booty vs. trainierter Hintern (OP statt Gym)

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Strong is the new skinny. Diese Maxime hat sich in unserer Gesellschaft mittlerweile durchgesetzt. Magermodel sind out. Fragwürdige Trends wie die „Tight Gap“ sind einem neuen Statussymbol gewichen: dem Booty. Ein Ausdruck von Weiblichkeit, gepaart mit Sportlichkeit und Disziplin. Oder auch nicht? Immer mehr Damen suchen die Abkürzung über den OP-Tisch.

Die Sache mit dem Booty: Brazilian Butt Lift (FAKE) vs Training 

Warum eigentlich ausgerechnet der Hintern? Kaum ein Körperteil erfährt so viel Aufmerksamkeit wie der weibliche Popo. Er hat Prominente wie Jennifer Lopez oder Kim Kardashian beinah im Alleingang berühmt gemacht. Und in den letzten Jahren, auch bedingt durch die Sozialen Medien, hat die Popularität des Bootys noch einmal ordentlich zugelegt.

Evolutionsbedingt macht der Fokus auf das Hinterteil durchaus Sinn. Männer finden bekanntlich unterbewusst alles schön, was Fruchtbarkeit signalisiert. Weibliche Rundungen generell sprechen für einen hohen Östrogenspiegel und damit für eine gute Fertilität. Forscher stellen zudem die These auf, dass ein runder Po eine Krümmung der Wirbelsäule suggeriert, die wiederum Schmerzen und Verletzungen bei einer Schwangerschaft vorbeugt. Die Frau erscheint also insgesamt „robuster“.

Beim rational denkenden Menschen des 21. Jahrhunderts kommt ein Aspekt dazu: Weibliche Runden gut und schön, aber dass große Brüste vielfach Genetik sind und sich mit einem niedrigen Körperfettanteil kaum vereinbaren lassen, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Auch an der Ausprägung des Beckenknochens lässt sich wenig machen.

Wirklich in der Hand haben Frauen also nur ihren Booty. Und wer hier etwas vorzuweisen hat, ist erwiesenermaßen fit und fleißig. Eine Visitenkarte, die ausweist: Ich bin auch Mitglied dieses Fitness-Lifestyle-Clubs.

Es geht auch ohne Gym: Der Brazilian Butt-Lift

Doch bekanntlich ist kaum etwas so mühsam und langwierig wie das Projekt Muskelaufbau. Je nach Ausgangslage und Talent kann es Monate bis Jahre dauern, bis aus einem flachen Hintern der begehrte Booty wird. Das geht viel zu langsam für die Generation Amazon Prime, die alles am besten schon gestern haben will.

Doch es geht ja auch fixer: Der Brazilian Butt Lift ist ein gegenwärtig schwer angesagtes Verfahren der plastischen Chirurgie. Benannt nach dem Mutterland des großen Pos, wird bei dieser Schönheits-OP der gewünschte Big Booty in wenigen Stunden erschaffen.

Das Verfahren
Beim Brazilian Butt Lift, zu Deutsch auch „Gesäßvergrößerung“ oder (etwas sperrig) „Glutealaugmentation“, wird der Po operativ aufgefüllt. Hierbei können wie bei der Brustvergrößerung Silikonimplantate oder auch Hyaluronsäure verwendet werden. Besonders verbreitet ist aber das Aufspritzen mit Eigenfett. Schließlich hat das den Vorteil, dass gleich noch an anderen Körperstellen unerwünschtes Volumen beseitigt wird.

Das Eigenfett wird üblicherweise an Bauch, Hüfte und Oberschenkel abgesaugt, aufbereitet und dann per Kanüle in das Gesäß eingespritzt. Ein Aufschneiden der Haut ist in der Regel nicht erforderlich, der gesamte Vorgang dauert nur wenige Stunden und kann meistens ambulant und oftmals sogar unter örtlicher Betäubung erfolgen.

Das Nachspiel
So sanft der Eingriff auch ist, so unangenehm fällt sein Nachspiel aus. Die Patientin muss für mehrere Wochen die Bauchlage beim Schlafen und längeres Sitzen vermeiden – offensichtlich ein schwieriges Unterfangen im Alltag. Auch Sport ist für zwei bis drei Monate tabu. Schwellungen und starke Schmerzen sind vorprogrammiert.

Die Kosten
Der Brazilian Butt Lift ist eine rein kosmetische Behandlung. Die Kosten, die je nach Anbieter zwischen 6.000 und 12.000€ liegen, sind daher komplett selbst zu tragen.

Die Risiken
Mit einer Sterberate von 1 zu 3000 gilt der Brazilian Butt Lift als gefährlichste aller Schönheitsoperationen. Der Grund: Viele Chirurgen spritzen das Eigenfett direkt in den Gesäßmuskel, der von besonders vielen Blutgefäße durchzogen ist. Fetttröpfchen können so in den Blutkreislauf, in Herz und Lunge geraten und hier ihr Unheil anrichten.

Der „BBL“ ist also nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Die britische Instagrammerin Renee Donaldson ist seit einer Po-Vergrößerung – ein Schnäppchen aus der Türkei – gehbehindert und rät ihren Fans heute von Schönheits-OPs jeder Art ab. Die deutsche Influencerin Paris Herms erlitt eine beinah tödliche Thrombose und Lungenembolie nach einem Butt-Lift mit Silikonimplantaten.

Fake Booty vs. trainierter Hintern – woran erkennt man den Unterschied?

Wie kann man einen chirurgisch aufgefüllten Booty von einem gut trainieren Gluteus unterscheiden?

Das ist gar nicht so einfach und sorgt auch immer wieder für Diskussionen in den Klatschspalten. Kim Kardashian unterzog sich gar öffentlich einem MRT, um zu beweisen, dass ihr Hintern kein Silikon enthält.Das widerlegt aber natürlich noch lange nicht eine Eigenfettbehandlung.

Es gibt Fälle von sehr offensichtlicher Nachhilfe, bei der der Brazilian Butt groteske, beinah comichafte Züge annimmt. Es gibt Influencer wie die Bruna Twins, die keinen Hehl um ihre Eingriffe machen. Im Gegenteil: Ihre gesamte Marke baut bewusst völlig übertriebene Butt-Lifts auf.

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Bei dezenteren Ergebnissen kann es knifflig werden. Implantate aus Silikon können mit der Zeit absacken oder von Anfang an irgendwie „deplatziert wirken“ und somit einen Hinweis auf einen kosmetischen Eingriff geben. Die Behandlung mit Eigenfett ergibt aber zumeist natürlichere Resultate und schließt somit auch diese Beweisführung aus.

Ein eindeutiger Anhaltspunkt sind seltsame Proportionen. Wenn der restliche Körper untrainiert ist, macht ein ausladender und strammer Booty keinen Sinn. Insbesondere unmuskulöse Beine sind ein Hinweis darauf, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Schließlich beanspruchen die gängigen und effektivsten Booty-Übungen auch die Oberschenkel (z.B. Squats, Ausfallschritte) und Hamstrings (Deadlifts). Wer einen großen Po hat, sollte daher auch hier zumindest Ansätze von Muskulatur aufweisen.

Gegen den Booty Lift: Ein Plädoyer für die ehrliche Arbeit
Ein praller Hintern generiert Aufmerksamkeit – nicht nur im Club und auf der Straße, sondern auch da, wo es mittlerweile besonders drauf ankommt: in unserem Newsfeed. Mal ehrlich: Auch du verharrst doch mal im Scrollen, wenn dir ein auffallend wohlgeformter Po angezeigt wird. Sehen, liken, interagieren – die harte Währung der Sozialen Medien. Und hier heiligt der Zweck wirklich alle Mittel.

Bestanden diese Mittel bisher aus den bekannten „Booty-Posen“, vorteilhaften (Push up-)Hosen und Photoshop, ist der operative Eingriff jetzt die nächste Eskalationsstufe.

Wie immer gilt: Mein Körper, meine Entscheidung. Wer allerdings eine Vorbildfunktion insbesondere seinen jüngeren Followern gegenüber zu erfüllen hat, sollte sich zweimal überlegen, welche Werte er propagiert.

Beim Brazilian Booty-Lift handelt es sich um eine außergewöhnliche gefährliche Behandlung. In jedem Fall aber bedeutet eine Operation immer Stress für den Körper. Und dabei gäbe es doch beim Streben nach dem perfekten Po einen viel sinnvolleren Weg.

Eine Bodybuilderin mit dem für diesen Sport notwendigen niedrigen Körperfettanteil kann nichts gegen das Verschwinden ihres Brustgewebes unternehmen. Ein ehemals adipöser Mensch kann zurückbleibende Hautlappen nicht mal eben selbst entfernen. In diesen Fällen kann die Schönheitschirurgie einen wirklich alternativlosen Beitrag zu mehr Lebensqualität leisten.

Aber der Hintern ist definitv formbar! Das kostet Schweiß, Zeit und Verzicht, aber erst das macht den Squat-Booty ja überhaupt so begehrenswert. Wie stolz kann man auf Likes sein, hinter denen keine Eigenleistung, sondern nur der Fortschritt der modernen Medizin steht?

So geht der Brazilian Butt auf die ehrliche Art und Weise:

– Traue dich ans Krafttraining – am besten mit der Langhantel. Alternativen: Kurzhanteln, Kettlebells, Multipresse, Kabelzug und Maschinen.
– Trainiere progressiv, das heißt mit steigender Herausforderung im Training. Das kann bedeuten: Mehr Gewicht, mehr Wiederholungen, kürzere Satzpausen etc. Erst Progression bringt den (Po-)Muskel zum Wachsen.
– Verlass dich nicht auf Cardio! Laufband und Stepper sind gut für das Herzkreislaufsystem – aber schon mal eine Marathonläuferin mit auffällig schönem Hintern gesehen?
– Ernähre dich proteinreich und fürchte dich nicht vor Carbs.

Fazit: Der Brazilian Butt Lift ist ein Shortcut, der bestenfalls zu Heucheleien, schlimmstenfalls zu ernsthaften gesundheitlichen Risiken führen kann. Dabei ist der Booty deiner Träume durch harte Arbeit im Fitnessstudio machbar. Nicht über Nacht – aber dann hätte ihn ja auch jeder!

Autorin: Ulrike Hacker Bilder: Shutterstock, RepOne.de

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