Wenn die Muskeln schrumpfen

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Muskelatrophie: So gehst du mit dem Schwund um

Wer intensiv trainiert, fürchtet oft um den Lohn seiner Mühen, wenn er einmal für ein paar Tage mit dem Training aussetzen muss. Diese Sorge ist sicherlich unbegründet. Doch es gibt in der Tat Situationen, in denen dein Körper Muskeln verliert. Welche das sind und wie du am besten gegensteuerst, erfährst du in diesem Artikel.

Muskelatrophie, was ist das eigentlich?

Als Muskelatrophie, auch Muskelschwund bezeichnet, bezeichnet man die Abnahme der Muskelmasse des Körpers. Hierfür gibt es zwei Gründe:

  1. Die Anzahl der Muskelzellen nimmt ab.
  2. Die einzelnen Muskelzellen werden kleiner.

Anzumerken ist, dass es unter normalen Umständen einige Zeit dauert, bis ein spürbarer Muskelschwund auftritt. Wie schon eingangs erwähnt, ist deshalb die Sorge unbegründet, Muskeln zu verlieren, wenn man einmal ein paar Tage nicht ins Gym kommt. Anders sieht es jedoch aus, wenn die Muskeln über einen längeren Zeitraum nicht oder zu wenig verwendet werden. Denn unser Körper arbeitet nach einem ökonomischen Prinzip: Was er nicht braucht, baut er auch ab, vor allem wenn es Bestandteile sind, die ständig mit Energie versorgt werden wollen. An sich macht das auch Sinn, zumindest evolutionär betrachtet. Unsere Vorfahren kannten eben keine Lieferdienste und Tiefkühlfächer, sodass es für sie überlebenswichtig war, bei eingeschränkter Bewegung auch weniger Energie zu verbrauchen, beispielsweise nach einer Verletzung, wenn zeitweise keine Jagd oder Nahrungssuche möglich war.

Muskelschwund nach Verletzungen

Du kennst sicherlich Bilder, die die Unterschiede zwischen einem gesunden und einem verletzten Bein nur wenige Tage nach einem Unfall, beispielsweise einer Kreuzbandverletzung zeigen. Die Unterschiede sind meist immens. Das hat damit zu tun, dass das betroffene Bein in der Regel zunächst gar nicht mehr belastet, also ruhiggestellt wird. Es fallen also nicht nur die Reize durch das Training weg, sondern gleich alle Reize durch ansonsten alltägliche Bewegungen wie das Laufen. Aus diesem Grund versucht man heute auch zumeist das lange Ruhigstellen einer Gliedmaße, wenn möglich zu vermeiden und so früh wie möglich mit einer angemessenen Belastung, beispielsweise durch Krankengymnastik, zu beginnen. Zudem vertraut man heute zunehmend auch auf das Training der gesunden Gliedmaße, da dieses nachweislich positive Auswirkungen auf die geschädigte Region hat. Welche Maßnahmen im Detail sinnvoll sind, muss natürlich immer mit dem behandelnden Arzt abgestimmt werden. Für besonders aktive Menschen empfiehlt es sich, diese Thematik aktiv anzusprechen und im Zweifel eine Zweitmeinung einzuholen.

Ein Sonderfall sind Verletzungen an Gehirn, Rückenmark oder Nerven. Diese können dazu führen, dass die Muskulatur nicht mehr richtig angesteuert werden kann, wodurch ein Muskelschwund nahezu unvermeidlich ist, wenn die ursächliche Problematik nicht gelöst werden kann. Man sieht diesen Effekt beispielsweise bei Menschen, die aufgrund einer Gehbehinderung im Rollstuhl sitzen.

Muskelschwund durch Krankheiten

Es gibt eine Vielzahl an Krankheiten, die zu einem Muskelschwund führen können. Dabei unterscheidet man in der Regel zwischen auszehrenden Erkrankungen wie Krebs oder Aids und neuromuskulären Erkrankungen. Ein Beispiel hierfür ist die Muskeldystrophie, eine erblich bedingte Muskelerkrankung. Auch die Multiple Sklerose oder die Arthrose fallen unter diese Kategorie.

In der Regel versucht man in der Therapie durch angepasste Trainingsformen die Muskulatur soweit möglich zu erhalten, ein vollständiger Erhalt ist jedoch in den seltensten Fällen möglich.

Muskelschwund durch Arzneimittel

Eine langfristige Therapie mit bestimmten Arzneimitteln kann ebenfalls zu einem Schwund der Muskulatur führen. Typisch ist das bei den sogenannten Glukokortikoide. Der bekannteste Wirkstoff dieser Gruppe ist sicher das Cortison, das vor allem bei Entzündungen und einem überaktiven Immunsystem eingesetzt wird. Diese Medikamente fördern im Körper den Umbau von Protein und Fett zu Glukose, wodurch auch erklärt ist, warum ihr langfristiger Einsatz die Muskeln schwinden lässt. In der modernen Medizin versucht man, eine derartige Therapie, wenn möglich zu vermeiden, auch weil diese weitere Nebenwirkungen mit sich bringt. Die Entscheidung hierüber liegt aber natürlich bei dem behandelnden Arzt.

Muskelschwund durch Mangelernährung

Wer sich ein wenig mit Wettkampfbodybuilding beschäftigt, wird sicherlich schon einmal davon gehört haben, dass Athleten durch eine sehr harte Diät die Muskeln „weggeflogen“ sind. Verbreitet ist auch die Redewendung „nach hart kommt dünn“. Auch für diesen Effekt gibt uns die Evolution eine Erklärung: Für unseren Körper sind die Skelettmuskeln nie vordergründig wichtig. Sein oberstes Ziel ist es stets, den Organismus und vor allem alle lebenswichtigen Organe zu versorgen. Wer seinem Körper also über lange Zeit extrem wenig Kalorien zuführt, der sorgt dafür, dass dieser anfängt, die Muskeln zur Energiebereitstellung zu nutzen, um damit lebenswichtige Organe am Laufen zu halten. Bei einer Diät sollte also stets darauf geachtet werden, dass nicht über einen zu langen Zeitraum zu wenige Kalorien zugeführt werden. Unbedenklich ist jedoch ein ein- oder mehrtägiges Fasten, da unser Körper dabei in der Regel auf ausreichend Reserven zurückgreifen kann.

Behandlungsmethoden

Wie schon erwähnt, hängt die Art der Behandlung vor allem von der Ursache des Muskelschwunds ab. Liegt eine ursächliche Erkrankung vor, muss diese behandelt werden. Bei einer medikamentösen Therapie kann man unter Umständen gemeinsam mit dem Arzt über alternative Wirkstoffe nachdenken. Liegt eine Mangelernährung zu Grunde, sollte diese schnellstmöglich beendet werden.

Gerade bei Sportlern ist Muskelschwund häufig die Folge einer Verletzung. Den vermutlich größten Fehler, den viele Sportler machen, ist ein Aufschieben der Behandlung. Das kann zum einen natürlich die Verletzung noch verschlimmern, aber zudem auch schon einen Muskelschwund hervorrufen, obwohl weiter trainiert wird. Der Grund: Wurde beispielsweise ein Nerv verletzt, können einzelne Muskeln nicht mehr vollständig aktiviert werden. So ist es möglich, dass es trotz Training zu einem Muskelverlust kommt. Zudem verlängert sich oft die notwendige Trainingspause massiv. Eine Kreuzbandverletzung kann man in der Regel unmittelbar nach dem Auftreten noch gut operieren. Wer jedoch erst einmal abwartet, muss unter Umständen dann erst einmal aussetzen, bis die auftretende Schwellung abgeklungen ist und eine Operation überhaupt möglich ist.

In der modernen Medizin herrscht heute weitgehend Einigkeit darüber, dass eine möglichst frühe, aber angepasste Belastung verletzter Gliedmaßen sinnvoll ist. In der Regel beginnt eine solche Therapie mit der Krankengymnastik und wird dann über moderates Bewegungstraining ausgeweitet. Auch Elektrostimulation ist eine denkbare Behandlungsmethode. Neben dem Aufbau der oberflächlichen Muskelmasse ist vor allem auch die Wiederherstellung der Sensomotorik wichtig. Damit bezeichnet man das Zusammenspiel von sensorischen und motorischen Leistungen, also der Muskulatur und der Sinnesrückmeldungen. Ein solches Training sollte unter keinen Umständen vernachlässigt werden, zum einen, weil sonst Folgeverletzungen drohen, aber auch, weil eine mangelhafte Sensomotorik die Leistung nachhaltig einschränkt.

In schweren Fällen setzen Mediziner auch Medikamente ein. Dabei kommen häufig Mittel zum Einsatz, die man sonst eher von den Listen verbotener Substanzen in verschiedenen Sportarten kennt, also anabole Steroide und Wachstumshormone. Es erklärt sich von selbst, dass eine solche medikamentöse Therapie nur in enger Absprache mit und auf Verordnung durch den behandelnden Arzt erfolgen sollte.

Die Therapie unterstützen

Insbesondere nach Verletzungen ist eine ausgewogene und nährstoffreiche Ernährung wichtig, damit der Körper die Vielzahl der Reparaturprozesse bewerkstelligen kann. Zunächst einmal ist natürlich eine angemessene Eiweißversorgung notwendig, damit der Körper ausreichend „Baustoff“ hat, um die verletzten Strukturen wiederaufzubauen. Dabei kann man neben einer eiweißbetonten Ernährung auf Proteinpulver oder Aminosäurekonzentrate wie EAA zurückgreifen.

Zink hat Einfluss auf die Zelldifferenzierung, die wiederum eine wichtige Rolle bei der Wundheilung einnimmt. Vitamin C ist für die Kollagenbildung notwendig. Entsprechend ist eine ausreichende Zufuhr dieser Mineralstoffe sinnvoll, um die Genesung zu unterstützen. Das gilt natürlich auch für alle anderen relevanten Mikronährstoffe. Wunder darf man aber natürlich dennoch nicht erwarten.

Vorsorge ist besser als Nachsorge

Am besten ist es natürlich, erst gar nicht in die Situation zu kommen, sich mit der Behandlung von Muskelschwund auseinandersetzen zu müssen. Bei vielen Krankheiten ist das selbstverständlich nur bedingt möglich, wobei eine gesunde Lebensführung viele Risikofaktoren ausschließen oder vermindern kann.

Verletzungen lassen sich ebenfalls nicht gänzlich ausschließen, aber dennoch kann man vorbeugend arbeiten, indem man beispielsweise für ein angemessenes Warm Up sorgt, auf eine hinreichende Flexibilität und ein ausgewogenes Verhältnis der einzelnen Muskelgruppen achtet und nicht zuletzt die Regeneration zwischen den Trainingsphasen unterstützt.

Bei Diäten sollte man schließlich darauf achten, die Kalorienzufuhr nicht zu drastisch zu reduzieren, um einen Muskelverlust zu vermeiden.

 

 

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