Die deutschsprachigen Frauen auf dem Mr. Olympia 2022

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In weniger als einem Monat werden die Scheinwerfer die Bühne in Las Vegas beleuchten und Athletinnen und Athleten aus der ganzen Welt messen sich auf dem wichtigsten Bodybuildingwettkampf des Jahres. Während die schweren Jungs international das meiste Interesse erhalten und aus deutscher Sicht die Classic Physique besonders interessant sein wird, bekommen die weiblichen Athleten in der Regel nicht dieselbe Aufmerksamkeit. In dieser Übersicht sollen die Frauen aus Deutschland und Österreich ins Spotlight, die für den Mr. Olympia 2022 qualifiziert sind.

Die Frauenklassen auf dem Mr. Olympia 2022

Insgesamt gibt es beim diesjährigen Mr. Olympia sechs Klassen, in denen weibliche Athleten gegeneinander antreten. Die speziellste Klasse dürfte in den letzten Jahren die Ms. Olympia geworden sein. Die Übersicht der einzelnen Divisions verdeutlicht die Vielfalt der Frauen beim Mr. Olympia.

Frauen-Bodybuilding

Die Tendenz zu mehr Muskelmasse machte auch vor dem Frauenbodybuilding keinen Halt, was nicht jedermanns Geschmack trifft. In der Konsequenz wurde die Kategorie in den Jahren 2015 bis 2019 sogar vollständig ausgesetzt, so dass die zehnfache Gewinnerin Iris Kyle keine Chance erhielt, ihre Siegesserie weiter auszubauen. In ihre Fußstapfen trat Andrea Shaw.

Die Wertungskriterien entsprechend dem Schwergewichtsbodybuilding der Männer. Es werden die gleichen Pflichtposen abgerufen, allerdings keine Kür gezeigt.

Fitness Klasse

Deutlich filigraner sind die Teilnehmerinnen der weiteren Klassen. Die Frauen Fitness Klasse zeichnet sich durch die akrobatischen Küren der Teilnehmerinnen aus. In der Vergangenheit war diese Klasse insbesondere durch Regiane da Silva den deutschen Fans präsent, die es 2014 bis auf den zweiten Platz beim Mr. Olympia schaffte. Nach ihrem Rücktritt aus dem Wettkampfsport trat aus dem deutschsprachigen Raum niemand in ihre Fußstapfen.

Figure Klasse

Die Figure Klasse wurde 2003 beim Mr. Olympia eingeführt und sieht auf der Bühne lediglich Vierteldrehungen vor. Es gibt keine Kür und die aus dem Bodybuilding bekannten Pflichtposen werden in der Figure Klasse ebenfalls nicht umgesetzt. Bezüglich der Muskelmasse sind die Teilnehmerinnen auf einem ähnlichen Level wie in der Fitness Klasse. Dafür ist der Look in der Regel etwas definierter.

Bikini Klasse

Im Jahr 2010 wurde die Bikini Klasse erstmals auf dem Mr. Olympia angeboten. Anders als in den bisherigen Frauen-Klassen geht es weniger um gestreifte Muskulatur, als vielmehr um ein ästhetisches Gesamtbild. Der Symmetrie macht in der Bikini-Klasse einen wichtigen Part aus, wobei auch aufgrund der Posing-Routine der Gluteus ein besonders prägnanter Muskel bei den Athletinnen ist.

Women’s Physique

Die Women’s Physique wurde 2013 eingeführt und kann als damalige Gegenbewegung zum Frauen-Bodybuilding verstanden werden, was auch darin mündete, dass die ursprüngliche Bodybuildingklasse für einige Jahre beim Mr. Olympia gestrichen wurde. Ein Gewichtslimit, das es inzwischen nicht mehr gibt, sollte dazu beitragen, dass die Teilnehmerinnen nicht zu muskulös wurden und dennoch erkennbar Bodybuilding betrieben.

Die erste Siegerin Dana Linn Bailey konnte ihren Erfolg kein weiteres Mal wiederholen, wurde damals jedoch zu einem Vorbild vieler Frauen, die einen bodybuildingorientierten Körper anstrebten, aber gleichzeitig von den Entwicklungen im Frauen-Bodybuilding abgeschreckt waren.

Anders als beim Frauen-Bodybuilding gibt es keine Lat-Posen und die Doppel-Bizeps-Pose wird etwas anders gestellt. Die Grenzen der beiden Kategorien sind fließend, was es für Teilnehmerinnen nicht immer einfach macht, die richtige Klasse zu wählen.

Wellness

Die Wellness-Klasse wurde erstmals im letzten Jahr auf dem Mr. Olympia eingeführt. Am einfachsten lässt sich diese Kategorie als Variante der Bikini-Klasse beschreiben. Anders als in der ursprünglichen Variante ist in der Wellness eine ausgeprägtere Muskulatur im Unterkörper gewünscht. Auffallend ist, dass neben us-amerikanischen Athletinnen insbesondere Starterinnen aus Brasilien die Wellness dominieren. Auch in 2022 nehmen eine Vielzahl an südamerikanischen Frauen in der Wellness-Klasse teil.

Die deutschsprachigen Frauen beim Mr. Olympia 2022

Insgesamt vier Frauen aus Deutschland konnten in diesem Jahr ein Ticket für den Mr. Olympia 2022 erkämpfen. Für Österreich hält eine Athletin die Landesfarben hoch. Die Schweiz wird dagegen von keiner Sportlerin in Las Vegas in diesem Jahre vertreten.

Jennifer Zienert

Für Jennifer Zienert wird es der ersten Mr. Olympia werden. Die Augsburgerin startet in der Figure-Klasse und erlangte erst im Mai 2021 die Pro Card auf einem NPC Wettkampf. Es folgten Top-Platzierungen auf den ersten Profi-Wettkämpfen und schon im dritten Anlauf konnte sie den ersten Sieg für ich verbuchen.

Mit dem Titelgewinn auf der letztjährigen Romania Pro buchte sie das Ticket für den Mr. Olympia 2022. Sehr gute Platzierungen in Texas und auf der Tampa Pro lassen hoffen, dass Jennifer Zienert bei ihrem Olympia-Debut um die Top 10 mitkämpfen wird. Genau das ist auch das Ziel der ambitionierten Deutschen.

Lena Ramsteiner

Lena Ramsteiner fand bereits mit 16 Jahren zum Kraftsport, wobei echte sportliche Ambitionen erst 2016 bei ihr aufkamen. Drei Jahre später stand sie das erste Mal auf der Wettkampfbühne und konnte auf der Deutschen Meisterschaft des DBFVs auf Anhieb den Klassen- und Gesamtsieg holen. Ebenso wie Jennifer Zienert trat Lena Ramsteiner zunächst als Profi in der IFBB Elite Pro an, entschloss sich dann aber ebenso zum Verbandswechsel zur IFBB Pro League.

Mit zwei Siegen im Sommer 2022 gelang Lena Ramsteiner ihre erste Qualifikation für den Mr. Olympia 2022. Die sympathische Figure Athletin sammelte damit starken Rückenwind für den Wettkampf im Dezember.

Nadine Claudia Huber

Die dritte Olympia-Newcomerin aus Deutschland startet ebenfalls in der Figure Klasse. Nadine Claudia Huber holte sich erst im Sommer in Polen die Pro Card und musste sich zunächst beim Profi-Debut noch mit dem fünften Platz begnügen. Mitte Oktober gelang ihr beim FitParade Hungary Pro allerdings der Klassensieg und damit das Buchen des Olympia-Tickets.

Die Figure-Athletin fokussiert sich nicht nur auf den Sport und die Olympia-Prep, sondern ist auch Mutter von zwei Kindern, die ihr Leben auf Trapp halten. Eine Platzierung wird für Nadine Claudia Huber in Las Vegas schwer werden, wobei die sympathische Athletin dennoch keinen Zweifel daran lässt, dass sie sich mit der Teilnahme am Mr. Olympia 2022 einen sportlichen Traum erfüllt.

Kristina Brunauer

Mit Kristina Brunauer wird Österreich durch nur eine Athletin in den USA vertreten. Nach dem Gewinn der Pro Card im Juli 2021 konnte sie noch am selben Wochenende ihren ersten Profi-Wettkampf gewinnen und damit das Ticket für den Mr. Olympia 2021 lösen. Dort wurde es lediglich ein geteilter 16. Platz, was in Anbetracht des dichten Niveaus in der Bikini-Klasse keine Schande ist.

Mit dem Gewinn der Sheru Classic in Italien konnte die Sportlerin aus der Alpenrepublik sich erneut für den Mr. Olympia qualifizieren. Auf weiteren Wettkämpfen im Sommer 2022 reicht es für die Vize-Titel, wobei ähnliche Ergebnisse in Las Vegas nicht zu erwarten sind. In einer auch diesem Jahr immens großen Klasse wird Kristian Brunauer es sehr schwer haben. Dennoch darf Österreich stolz auf seine Vorzeigeathletin sein.

Lisa Meiswinkel

Die Deutsche Lisa Meiswinkel wird ebenso wie Nadina Claudia Huber und Kristina Brunauer von Stefan Kienzl vorbereitet, startet allerdings in der Wellness-Klasse. Nach dem Gesamtsieg auf der Olympia Amateur 2021 holte Lisa Meiswinkel sich auf den ersten Profi-Wettkämpfen sehr gute Platzierungen in der Top 5.

Das Ticket für ihre erste Olympia-Teilnahme erlang Lisa Winkel mit einem Sieg in Ungarn. Damit war klar, dass die bereits gebuchten Tickets für Las Vegas nicht nur fürs Zuschauen genutzt werden können, sondern die große Bühne betreten werdend darf. In Anbetracht der hochkarätigen Konkurrenz aus Nord- und Südamerika wird der Kampf um eine Platzierung aber bereits eine Herausforderung werden.

Autor: Dr. Frank-Holger Acker | Titelbild: Instagram-Accounts der Athletinnen

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