Nach der Haft: Aaron Singerman ist zurück

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Aaron Singerman, Mitbegründer der mittlerweile nicht mehr existenten Supplementfirma Blackstone Labs und Gründer von RedCon1, wurde Anfang Dezember nach knapp einem Jahr aus der Haft entlassen. Nun hat er angekündigt, sein Leben, von der Drogensucht über die Spitze der Supplementbranche bis zur Inhaftierung, in einem Buch niederzuschreiben.

Eine Jugend als Versager und Drogenjunkie

Singerman wurde 1980 in einem Vorort von New Orleans geboren. Seine Eltern besaßen mehrere Geschäfte, die der Familie ein sicheres Einkommen garantierten. Aaron Singerman selbst gibt an, dass er in seiner Jugend faul und unmotiviert war, weshalb er auch diverse Nebenjobs verlor, obwohl man ihm durchaus Potenzial zuschrieb.

Problematisch war aber vor allem seine Neugier und Experimentierfreudigkeit in Sachen Drogen. Bis Mitte 20 ließ er kaum eine bekannte Droge aus. Es brauchte einen lauten Knall, um ihn aus dem Drogensumpf zu ziehen und diesen gab es im Jahr 2007, als ein Bekannter von Singerman in der Wohnung seiner damaligen Freundin an einer Überdosis verstarb. Daraufhin habe er fluchtartig das Gebäude verlassen und in seinem eigenen Appartement einen kalten Entzug durchgezogen, berichtet Singerman.

Lebensretter Bodybuilding

Bereits in seiner frühen Jungend entwickelte sich Aarons Faszination für Bodybuilding. Er trainierte regelmäßig und saugte jede Information, die er finden konnte, auf. Nach seinem traumatischen Erlebnis 2007 besann er sich auf diese Leidenschaft und begann als Personal Trainer zu arbeiten. Damit konnte er zwar seinen Lebensunterhalt bestreiten, aber zu mehr reichte es nicht. Verwundert beobachtete er andere Trainer, die ein Vielfaches von ihm verdienten und sich entsprechenden Luxus wie teure Autos leisten konnten.

Eines Tages nahm Aaron Singerman sich ein Herz und fragte einen dieser Trainer, was er denn falsch mache. Der Trainer antwortete mit einer Gegenfrage: „Liebst du Personal Training?“ Singerman konnte diese Frage nicht bejahen und begann darüber nachzudenken, was genau es sei, dass er liebe, dass seine wahre Passion sei.

Aufstieg zu einem führenden Bodybuildingjournalisten

Bodybuilding war die Antwort auf Singermans Suche nach seiner wahren Passion. Und so begann er, sich nur noch mit diesem Sport zu beschäftigen. Er las ein Buch nach dem nächsten, postete sehr aktiv in den damals führenden Foren und nahm Kontakt zu den zu der Zeit bekanntesten Autoren auf.

Im Jahr 2008 kontaktierte er den Moderator der Show Super Human Radio und schlug ihm diverse Verbesserungen vor, die dieser gerne annahm und sich daraufhin von Aaron Singerman in seiner eigenen Show interviewen ließ. Kurz darauf bekam Singerman seine erste eigene Radioshow Off Topic Radio.

Zur selben Zeit begann sein Engagement für RxMuscle, wo er sich schnell zum Chefredakteur hocharbeitete und nun endlich seinen Traum leben konnte: Er reiste um die Welt und besuchte die bekanntesten Show und die besten Athleten. Bald kannte jeder in der Szene den Namen Aaron Singerman.

Der Einstieg von Aaron Singerman in die Supplementbranche

2012 wurde Aaron Singerman Marketingleiter bei Iron Mag Labs. Als eine seiner ersten Amtshandlungen holte er seinen Freund P.J. Braun ins Unternehmen. Die beiden brachten in der Folge das Unternehmen deutlich voran, erkannten aber vor allem, dass sie als Team sehr gut harmonierten.

Zu dieser Zeit begann sich die bis dato lasche Gesetzgebung in Sachen Supplements in den USA zu verschärfen. Betroffen war davon auch ein Produkt von Iron Mag Labs: Super DMZ, ein Prohormon-Supplement. Aus Angst vor drohenden Gesetzesänderungen wollte der Iron Mangs-Chef Robert Dimaggi die bereits produzierten Dosen vernichten lassen, doch Singerman und Braun brachten ihn dazu, sie stattdessen ihnen zu verkaufen. Die beiden brauchten nur fünf Wochen, um alle 7.000 Dosen zu verkaufen und machten einen beachtlichen Gewinn.

Rasanter Aufstieg

Motiviert durch diesen Erfolg schmiedeten Braun und Singerman den Plan, eine eigene Supplementfirma zu gründen, was sie 2012 in die Tat umsetzten: Blackstone Labs war geboren. Dabei kauften sie Dimaggi Iron Mag Labs inklusive aller Rezepturen und Patente ab.

Von Anfang an lag der Fokus von Blackstone Labs auf Produkten wie Super DMZ: Prohormone und hochdosierte Booster und das Geschäft brummte. Später gründete man mit Prime Nutrition eine weitere Firma, die sich auf weniger kritische Produkte fokussierte.

Die Zusammenarbeit von Braun und Singerman hielt bis ins Jahr 2016, in dem sie sich unternehmerisch trennten. Während Braun Prime Nutrition verkaufte und sich rein auf Blackstone Labs konzentrierte, gründete Singerman RedCon1 und stieg damit zu einer der führenden Supplementmarken in den USA auf.

Die Akte Blackstone Labs

Jahre nach dem Ausscheiden Singermans bei Blackstone Labs holte ihn die Vergangenheit wieder ein: Am 13. März 2019 wurde in 14 Punkten Anklage gegen Aaron Singerman und einige frühere Weggefährten erhoben. In der offiziellen Pressemeldung hieß es dazu:

„The indictment alleges that the defendants sold hundreds of thousands of illegal products, including anabolic steroids, nationwide and internationally, fraudulently representing that those products and pills were high-quality, legal dietary supplements.  According to the indictment, the defendants created an illicit manufacturing company and routed sales of illegal products through trusted distributors, knowing that the products were unsafe or could not legally be sold to consumers.“ 

Im November 2021 bekannte sich Singerman in zwei der 14 Anklagepunkten für schuldig. Im Laufe der Verhandlung versuchten seine Anwälte, Braun die Hauptschuld zuzuschieben.

Doch dieser letzte Versuch, das drohende Unheil abzuwenden, gelang nur bedingt: Aaron Singerman wurde zu einer Haftstrafe von 54 Monaten und einer Geldstrafe in Höhe von 2,9 Millionen Euro verurteilt. Das Gericht blieb damit aber deutlich unter der von der Anklage geforderten Haftlänge von 78 bis 97 Monaten.

Zwei weitere Vorfälle aus dem Jahr 2021, bei denen Singerman unter dem Einfluss von Alkohol und Medikamenten Unfälle mit seinem Boot und PKW verursacht hatte, wurden getrennt hiervon mit Geldstrafen bestraft.

Emotionale Abschiedsnachricht

Im Januar 2022 verabschiedete sich Singerman mit einem letzten Video vor seinem Haftantritt von seinen Followern. Darin beteuert er, seine Fehler zu bereuen und nun dafür geradestehen zu wollen. Auch betonte er, dass keiner der Anklagepunkte etwas mit RedCon1 zu tun hatte.

Überraschende vorzeitige Entlassung

Nur elf Monate nach seiner Inhaftierung wurde Singerman am 1. Dezember entlassen, während die anderen Mitangeklagten noch immer in Haft sind. Wenige Tage später meldete er sich mit einem Video auf Instagram zurück, in dem er sich mit seinen drei Söhnen zeigt.

Offen ist derweil, welche Rolle Aaron Singerman derzeit und auch künftig bei RedCon1 einnimmt und einnehmen wird. Auf der offiziellen Website des Herstellers wird Singerman nicht als Teil der Unternehmensführung genannt, er selbst bezeichnet sich auf seinen Social Media-Profilen als Gründer von RedCon1.

Das Buch, das Aaron Singermans bewegendes Leben voller Auf- und Abstiege aus seiner Sicht schildert, erscheint am 25. April und kann bereits jetzt vorbestellt werden.

(tk) | Titelbild: Instagram

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