Training an der Multipresse: Besser als man denkt?

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Man findet sie in wohl jedem Fitnessstudio: die Multipresse. Während die Trainer in den Gyms sie sehr gerne in ihre Pläne einbauen, weil sie die Komplexität der Bewegungen doch deutlich vereinfacht, stößt sie im Web zumeist auf wenig Gegenliebe. Ihr größter Vorteil ist gleichzeitig auch der primäre Ansatzpunkt für Kritik: Das Training an der Multipresse schränkt die Bewegungskurve deutlich ein. Doch schauen wir uns die Ausführung der zentralen Übungen an der Multipresse doch einfach einmal der Reihe nach an.

Bankdrücken & Schulterdrücken an der Multipresse

Beim Flachbankdrücken mit der Langhantel wird die Stange gewöhnlich in einem leichten Bogen nach oben gedrückt. Das ist in der Multipresse nicht möglich. Das Bankdrücken in der Multipresse entspricht eher der sogenannten Guillotine Press, einer Variante des Bankdrückens, bei der die Stange gerade fast auf das Schlüsselbein herabgelassen wird. Für die stabilisierenden Muskeln des Schultergelenks ist das eine doch eher ungünstige Position, die auf Dauer zu Verletzungen führen kann.

Ganz anders sieht es aber aus, wenn die Bank schräger gestellt wird. Denn klar ist: Auch mit der Langhantel wäre die Druckbewegung beim Schrägbankdrücken, egal ob nun 15, 30, 45 oder gar 60 Grad Neigung, eine Bewegung in einer geraden Linie.

Die Multipresse ist daher eine sehr gute Variante für alle Arten des Bankdrückens außer dem klassischen Flachbankdrücken, bei dem man mit Blick auf die Schultergesundheit vorsichtig sein sollte. Großer Vorteil im Vergleich zu Maschinen: Man kann den Winkel der Bank variabel einstellen. Weiterhin eignet sich die Multipresse sehr gut für alle Varianten des Schulterdrückens.

Kniebeuge an der Multipresse

Die Frage, ob sich die Multipresse für die Kniebeuge eignet, lässt sich pauschal nicht beantworten. Es hängt stark von der Ausführung ab.

Generell unterteilt man bei der Kniebeuge die Low Bar und die High Bar Beuge. Diese unterscheiden sich durch die Höhe der Hantelablage. Während bei der High Bar Kniebeuge die Stange ganz oben auf dem Trapezius aufliegt, was eine sehr aufrechte Körperhaltung während der Bewegung erfordert, wird sie bei der Low Bar Kniebeuge deutlich tiefer abgelegt. Das bedingt eine deutlich stärkere Vorlage des Oberkörpers.

Eine richtige Low Bar Kniebeuge wird in der Multipresse nur schwer umsetzbar sein. Dafür eignet sie sich perfekt für High Bar Kniebeuge, die man frei ohnehin äußerst selten sieht. Der Grund ist einfach: Sie erfordern ein hohes Maß an Mobilität.

Die Wahl der Ausführung ist auf der einen Seite Geschmacksache, hat darüber hinaus aber auch signifikante Auswirkung auf die involvierten Muskelgruppen. Eine High Bar Kniebeuge isoliert die Quadriceps viel stärker als eine Low Bar Kniebeuge, bei der das Hüftgelenk mehr involviert wird, was die rückseitige Muskelkette um den Gluteus, die Ischiocruralmuskeln und die Muskeln des unteren Rückens stärker einbezieht.

Die Multipresse erlaubt es bei der High Bar Kniebeuge, die Füße etwas weiter vorne zu platzieren, was sich sehr positiv auf die Stabilität auswirkt. Wer die Quadriceps fokussieren und eine starke Involvierung der rückseitigen Muskelschlinge verhindern will, ist an der Multipresse genau richtig.

Kreuzheben & Rudern an der Multipresse

Und wie sieht es bei Zugübungen aus? Sind diese an der Multipresse überhaupt möglich? Bedingt!

Beim Kreuzheben gibt es gleich zwei Probleme: Einerseits erlauben die meisten Multipressen nur einen nach unten doch deutlich begrenzten Bewegungsumfang. Dazu kommt die schon vom Flachbankdrücken bekannte Problematik, was die vollständig gerade Bewegungsführung betrifft. Wenn überhaupt sollte die Multipresse für partielles Kreuzheben genutzt werden.

Besser sieht es beim Rudern aus. Eine fixe Bewegungsführung kennt man ja beispielsweise vom T-Bar-Rudern. Ob das Rudern in der Multipresse die Ideallösung ist, muss jeder für sich selbst beantworten. Auf jeden Fall ist es keine schlechte Lösung.

Training an der Multipresse? Eine Frage der Zielsetzung!

Wie bei den meisten Trainingsgeräten kommt es auch bei der Multipresse auf den Verwendungszweck und die individuellen Voraussetzungen der Trainierenden an. Nicht geeignet ist die Multipresse als vollständiger Ersatz für komplexe freie Übungen. Diese haben eigene Benefits wie eben die Stärkung der stabilisierenden Muskulatur, die man nicht gänzlich vernachlässigen sollte, vor allem dann, wenn man Krafttraining nicht als Selbstzweck, sondern als unterstützendes Training für eine andere Sportart ausgeführt wird.

Als Ergänzung ist ein Training mit der Multipresse aber auch in diesem Fall sehr gut geeignet. Wer beispielsweise nach ein paar Sätzen freien Kniebeugen noch isolierter die Quadriceps trainieren oder bis ans absolute Leistungslimit gehen will, kann das in der Multipresse mit maximaler Sicherheit tun.

Individuelle Proportionen beachten

Wie bei allen anderen Maschinen auch, gilt es zu schauen, ob die Bewegungsführung mit der eigenen Anatomie übereinstimmt. Für die Proportionen des einen passt die Multipresse für eine Übung super. Für den anderen geht das gar nicht. Hier muss man sich einfach ausprobieren.

Fazit: Die Multipresse ist besser als ihr Ruf!

Auch wenn die Multipresse bei vielen Trainingspuristen auf wenig Liebe stößt, ist sie ein äußerst nützliches und effektives Trainingsgerät. Sie ist aber nicht für jede Übung und auch nicht für die Proportionen eines jeden Trainierenden ideal. Dennoch lohnt es sich, zumindest für Druckübungen ein wenig auszuprobieren. Die Multipresse ermöglicht ein sicheres Training bis ans absolute Limit, ohne dass man sich Gedanken um die Stabilität machen muss.

Autor: Thomas Koch | Titelbild: Andreas Volmari

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