Die besten deutschen Bodybuilder aller Zeiten

Die besten deutschen Bodybuilder aller Zeiten haben auf internationalen Bühnen Außergewöhnliches geleistet – von Jusup Wilkosz‘ Top-3-Platzierung beim Mr. Olympia 1984 bis zu Mike Sommerfelds wiederholten Titelkämpfen in der Classic Physique. Auch wenn Bodybuilding in Deutschland weniger im Rampenlicht steht als Fußball oder Formel 1, haben deutsche Athletinnen und Athleten die Geschichte dieses Sports maßgeblich mitgeschrieben. Dieser Artikel gibt einen vollständigen Überblick – von den Pionieren der 80er bis zur aktuellen Generation.

Athlet Klasse Größter Erfolg
Dennis Wolf Open 3. Platz Mr. Olympia 2013, Arnold Classic Sieger 2014
Günter Schlierkamp Open Sieg GNC Show of Strength 2002 (gegen Olympia-Champ Ronnie Coleman), 4. Platz Mr. Olympia 2005
Jusup Wilkosz Open 3. Platz Mr. Olympia 1984
Peter Hensel Open 6. Platz Mr. Olympia 1986
Markus Rühl Open 5. Platz Mr. Olympia 2004
Dennis James Open 4. Platz Mr. Olympia 2003, 3. Platz Masters Olympia 2012
Ronny Rockel Open / 212 6. Platz Mr. Olympia 2010, mehr Profi-Wettkämpfe als jeder andere Deutsche
David Hoffmann Classic Physique 3× Mr. Olympia-Teilnehmer, erster Deutscher in der Classic Physique
Mike Sommerfeld Classic Physique 2× Vize-Olympia (aktuell), 1 x Arnold Classic Sieger
Urs Kalecinski Classic Physique / Open 3 x Top 3 beim Mr. Olympia in der Classic Physique, so viele Open-Siege wie Markus Rühl
Anja Langer Women’s Vize-Ms. Olympia 1988
  1. Die Klassen im heutigen Bodybuilding
  2. Jusup Wilkosz und Peter Hensel leisten Pionierarbeit
  3. Die 90er mit Frank Hillebrand, Achim Albrecht und Roland Cziurlok
  4. Die Zeit der deutschen Massemonster: Markus Rühl war nicht der Erste
  5. Ist Dennis Wolf der beste deutsche Bodybuilder aller Zeiten?
  6. Ronny Rockel überzeugte in der Open und der 212
  7. Andreas Frey: der beste deutsche Profi-Bodybuilder außerhalb der IFBB
  8. David Hoffmann definierte die deutsche Classic Physique
  9. Anja Langer ebnete den Weg fürs deutsche Frauen-Bodybuilding

Die Klassen im heutigen Bodybuilding

Die Frage danach, welche deutschen Athleten die erfolgreichsten Sportler waren, ist stets auch eng mit einer Diskussion um die Klassen im heutigen Bodybuilding verbunden. Zur Zeit von Arnold Schwarzenegger gab es zwar bereits wie heute mehrere Verbände. Doch es existierte nur eine Kategorie, in der alle Athleten antreten mussten. Erst nach und nach differenzierte sich dieses Bild.

Auch wenn es im Rahmen der Auflistung eine Ausnahme geben wird, geht es in dieser Übersicht um die Profis der heutigen IFBB, die verantwortlich für den Mr. Olympia ist. Bei diesem gab es erstmals 1974 zwei Gewichtsklassen, die 1980 jedoch zunächst wieder abgeschafft wurden. Athleten, die Bodybuilding betreiben wollten, standen alle auf derselben Bühne. In den 2000ern weichte dies dann langsam auf.

Seit 2008 gibt es wieder durchgehend ein Leichtgewicht, das zunächst auf 202 und später auf 212 Pfund beschränkt war. Im Jahr 2013 folgte dann die Men’s Physique und seit 2016 gibt es schließlich die Classic Physique. Allen diesen genannten Kategorien ist gemeinsam, dass die Athleten inzwischen ein Gewichtslimit einhalten müssen. Nur im Open Bodybuilding gibt es keine Einschränkung und theoretisch könnten auch Athleten der anderen Kategorien in der Königsdisziplin starten.

Jusup Wilkosz und Peter Hensel leisteten Pionierarbeit

Wenn man sich mit deutschem Open Bodybuilding auseinandersetzt, fallen vielen Fans insbesondere die Athleten der 2000er-Jahre ein. Doch die Geschichte des deutschen Profi-Bodybuildings reicht noch einmal deutlich weiter zurück. Nachdem er im Vorjahr noch auf Platz 6 gelandet war, konnte Jusup Wilkosz im Jahr 1984 unter anderem den amtierenden Olympia-Champ Samir Bannout schlagen.

Vor New Yorker Publikum war er jedoch nicht der einzige, und den Titel trug am Ende ein gewisser Lee Haney davon, der im Anschluss eine einmalige Karriere hinlegen sollte. Für Jusup Wilkosz wurde es der dritte Rang, wobei er an diesen Erfolg nicht anknüpfen konnte. Der frühere Mr. Universe trat zwei Jahre später noch einmal beim Mr. Olympia an, wurde 1986 jedoch aus der Top 10 verdrängt.

Jusup Wilkosz (links), Josef Grolmus und Peter Hensel (rechts) 1986 – Bild: Instagram

Dafür schaffte es ein anderer deutscher Athlet auf Anhieb in die Top 10. Peter Hensel wurde ursprünglich in Ost-Berlin geboren und siedelte 1985 in die BRD aus. Noch im selben Jahr gewann er nicht nur die Deutsche Meisterschaft, sondern wurde auch Europa- und Weltmeister, wobei er unter anderem Ralf Möller schlug. Ein Jahr später stand Peter Hensel als Profi beim Mr. Olympia und ließ dort auf Platz 6 Athleten wie Bertil Fox oder auch Tom Platz hinter sich.

Die 90er mit Frank Hillebrand, Achim Albrecht und Roland Cziurlok

Auch in den 1990ern gab es deutsche Athleten, die sich international behaupten konnten. Nachdem er 1987 die Deutsche Meisterschaft gewonnen hatte, holte sich Frank Hillebrand 1989 den Weltmeistertitel, was ihm die Berechtigung zur Profi-Lizenz einbrachte. Bei seinem Olympia-Debüt 1990 gelangte er auf Platz 7 und ließ damit nicht nur den früheren Olympia-Champ Samir Bannout, sondern auch Andreas Münzer hinter sich.

Ein Jahr später trat Achim Albrecht in seine Fußstapfen. Nachdem auch er durch den Weltmeistertitel die Pro Card erlangt hatte, wurde er beim Mr. Olympia 1991 Neunter, während es für Frank Hillebrand und Andreas Münzer für keine Platzierung reichte. Es folgten einige weitere Jahre im Profi-Bodybuilding, bevor der Deutsche von 1996 bis 1999 als Brakkus unter anderem bei der heutigen WWE, damals WWF, als Wrestler in den Ring stieg.

Frank Hillebrand, Achim Albrecht und Roland Cziurlok
Achim Albrecht, Frank Hillebrand und Roland Cziurlok zählten in den 1990ern zu den besten deutschen Bodybuildern

Beim Olympia wurde Deutschland zu dieser Zeit von Roland Cziurlok vertreten. Der frühere IFBB Pro ist eventuell auch jüngeren Fans heutzutage noch ein Begriff, da er in Deutschland seit vielen Jahren zu den etablierten Bodybuilding-Coaches zählt. Während in der Vergangenheit unter anderem David Hoffmann oder Alexander Westermeier von ihm betreut wurden, ist einer seiner bekanntesten Schützlinge heutzutage der Classic-Physique-Profi Luca Reger.

Die Zeit der deutschen Massemonster: Markus Rühl war nicht der Erste

Mit dem ersten Olympia-Titel von Dorian Yates im Jahr 1992 begann im Bodybuilding die Zeit der Massemonster. Filigrane Athleten wie Frank Hillebrand hatten keine Chance mehr im Open Bodybuilding und eine neue Generation von Athleten bestimmte das Bild. Doch es dauerte nicht lange, bis sich auch aus Deutschland die ersten Massemonster beim Olympia behaupteten. Bis heute ist den jungen Bodybuildingfans insbesondere Markus Rühl ein Begriff, der 1999 erstmals beim Olympia antrat und 2002 seinen berühmten Auftritt auf der Night of Champions hatte.

Der beste deutsche Profi-Bodybuilder seiner Zeit war der Hesse jedoch keinesfalls, auch wenn er 2004 seine beiden deutschen Wegbegleiter Günter Schlierkamp und Dennis James beim Olympia hinter sich lassen konnte. Letztgenannter ist dem Sport bis heute als Veranstalter von Shows treu geblieben, und dass Deutschland zuletzt wieder Austragungsort von Profi-Wettkämpfen wurde, ist unter anderem dem mehrfachen Olympia-Teilnehmer zu verdanken.

Günter Schlierkampf, Markus Rühl und Dennis James
Günter Schlierkampf, Markus Rühl und Dennis James zählen bis heute zu den besten deutschen Bodybuildern

Der dritte große deutsche Open Bodybuilder in den 2000ern war Günter Schlierkamp, der sogar schon vor Markus Rühl erste Olympia-Luft schnuppern durfte. Der Gentle Giant zeichnete sich nicht nur durch eine durchweg sympathische Ausstrahlung aus, sondern wird Fans vor allem auch wegen seines Sieges auf der GNC Show of Strength im Jahr 2002 in Erinnerung geblieben sein. Nur drei Wochen nach dem Mr. Olympia, auf dem er umstritten Fünfter wurde, schlug Günter Schlierkamp den amtierenden Olympia-Sieger Ronnie Coleman auf der Bühne.

Ist Dennis Wolf der beste deutsche Bodybuilder aller Zeiten?

Auf die Generation rund um Markus Rühl folgte unter anderem Dennis Wolf, der für manche Fans der beste deutsche Bodybuilder aller Zeiten ist. Der frühere IFBB Pro zog mit 12 Jahren mit seiner Familie nach Deutschland und nahm zehn Jahre später an seinem ersten Bodybuilding-Wettkampf teil. Schon damals zeichnete sich ein gewisses Talent ab, das Dennis Wolf bis an die Spitze des Wettkampfbodybuildings bringen sollte.

Fünf Jahre nach seinem Bodybuildingdebüt wurde er nicht nur Deutscher Meister, sondern gewann, wie schon viele andere Athleten in dieser Liste, ebenfalls die Weltmeisterschaft. Ein Jahr später gab er dann 2006 sein Profi-Debüt und nahm erstmals am Olympia teil. Dort war er fast immer ein Kandidat für den ersten Callout, wobei Dennis Wolf den Zenit seiner Karriere in den 2010ern erreichen sollte.

Nachdem er 2013 mit Jusup Wilkosz gleichgezogen war und ebenfalls den dritten Rang beim Mr. Olympia erreicht hatte, gewann Dennis Wolf 2014 die Arnold Classic in Ohio. Doch dann kam es zu einem unerwarteten Schicksalsschlag. Anfang 2016 verletzte sich Dennis Wolf dermaßen an der Wirbelsäule, dass er sich einer Operation unterziehen musste.

Zwar gelang ihm 2018 nochmals ein Comeback auf der Arnold Classic, doch der IFBB Pro musste Abstriche bei der Masse machen. Der Anschluss an die Weltspitze im Open Bodybuilding war nicht mehr möglich, sodass der sportlich erfolgreichste deutsche Open Bodybuilder aller Zeiten seine Karriere beendete, dem Sport aber bis heute treu blieb.

Ronny Rockel überzeugte in der Open und der 212

Ein Athlet, der stets ein wenig im Schatten von Markus Rühl und Dennis Wolf stand, war Ronny Rockel. Kein deutscher IFBB Pro nahm an so vielen Profi-Wettkämpfen teil wie der inzwischen über 50-Jährige. Bereits 2005 stand er gemeinsam mit Markus Rühl, Günter Schlierkamp und Dennis James beim Olympia auf der Bühne und war seitdem fast jedes Jahr beim wichtigsten Wettkampf im Bodybuilding dabei, bis er 2017 seinen letzten Auftritt in Las Vegas hatte.

Das Bemerkenswerte dabei ist, dass Ronny Rockel seine IFBB-Karriere in der 212-Klasse abschloss. Bereits einige Jahre zuvor war er an Diabetes erkrankt, was Anpassungen bei der Diät und dem Ladeschema erforderte. Im Zuge dessen entschloss sich der Wettkampfbodybuilder dazu, 2016 und 2017 jeweils in der gewichtslimitierten Bodybuilding-Klasse am Olympia teilzunehmen.

Doch im Anschluss an seine IFBB-Karriere hörte der zweifelsfrei fleißigste deutsche Bodybuilder aller Zeiten längst nicht auf. Es folgte der Verbandswechsel in die NAC, bei der er sich auf der Frey Classic nur Peter Molnar geschlagen geben musste, der später in die IFBB wechselte. Für Ronny Rockel bedeutete die Abkehr von der IFBB jedoch den Verlust der Pro Card. Der Versuch, diese 2025 zurückzugewinnen, scheiterte, sodass auch keine weitere Teilnahme am Masters Olympia folgte.

Andreas Frey: der beste deutsche Profi-Bodybuilder außerhalb der IFBB

Auch wenn die IFBB mit dem Mr. Olympia und der Arnold Classic in Ohio der dominierende Bodybuildingverband ist, gibt es sowohl im Amateur- als auch im Profi-Bereich seit Jahren noch alternative Organisationen. Diese gelangen nur selten in ein größeres Licht der Öffentlichkeit. Einer dieser Verbände war die Mitte der 2000er gegründete PDI, in der unter anderem auch Lee Priest nach seinem Bruch mit der IFBB Erfolge feierte.

Aus deutscher Sicht ist hingegen Andreas Frey zu erwähnen, der als Amateur seine Heimat in NAC und NABBA hatte und sich schließlich gegen eine Profi-Karriere bei der IFBB und für die PDI entschied. Dort kämpfte er zwei Jahre lang als Profi mit, bevor er sich aus dem Wettkampfgeschehen zurückzog und dem Sport in anderen Rollen treu blieb.

Die nach ihm benannte Frey Classic, bei der Andreas Frey schon vor Jahren für die Ausschüttung attraktiver Preisgelder sorgte, ist bis heute ein fester Bestandteil der NAC und wird damit auch nach dem überraschenden Tod von Andreas Frey fortgeführt.

David Hoffmann definierte die deutsche Classic Physique

Die Classic Physique ist nicht nur die jüngste Männerklasse der IFBB, sondern vielleicht auch die populärste außerhalb der Hardcore-Bodybuilding-Fan-Blase. Noch bevor Chris Bumstead zum Weltstar wurde und unzählige junge Menschen zum Bodybuilding brachte, nahm David Hoffmann bereits in dieser Klasse am Mr. Olympia teil.

Nachdem er 2015 die Pro Card noch im Bodybuilding gewonnen hatte, entschloss er sich 2018, in der kurz zuvor eingeführten Klasse sein Profi-Debüt zu geben. Dreimal sollte es ihm gelingen, beim wichtigsten Wettkampf im Bodybuilding vertreten zu sein, bevor er zum Abschluss seiner Karriere noch einmal ins Open Bodybuilding wechselte.

Inzwischen sind längst andere Athleten in seine Fußstapfen getreten, wobei die beiden wohl bekanntesten Namen Urs Kalecinski und Mike Sommerfeld sind. Während Erstgenannter inzwischen in die Open gewechselt ist und dort seinen Weg gehen will, ist Mike Sommerfeld derzeit so nah an einem Olympia-Titel wie kein Deutscher vor ihm. Bereits zweimal musste er sich nur knapp in Las Vegas geschlagen geben und zählt bereits jetzt zu Deutschlands erfolgreichsten Bodybuildern aller Zeiten. Mit dem Olympia-Sieg würde ihm jedoch bislang Einmaliges gelingen.

Anja Langer ebnete den Weg fürs deutsche Frauen-Bodybuilding

Auch wenn die Frauenklassen im Bodybuilding generell weniger Aufmerksamkeit bekommen als die Open oder die Classic Physique, hat sich auch hier inzwischen eine große Zahl an unterschiedlichen Kategorien herauskristallisiert. Insbesondere in der Women’s Figure ist Deutschland in den letzten Jahren qualitativ und quantitativ enorm stark vertreten, sodass in absehbarer Zeit vielleicht auch hier ein großer Titel erlangt werden könnte.

Der Grundstein fürs deutsche Frauen-Bodybuilding wurde jedoch bereits in den 1980ern gelegt. Anja Langer wurde 1965 geboren und betrat bereits mit 16 Jahren das erste Mal die Wettkampfbühne. Es folgten in den 80ern diverse nationale und internationale Titel, sodass der Wechsel ins Profilager die logische Konsequenz war. Im Jahr 1987 trat sie erstmals beim Ms. Olympia an, der damals einzigen Frauenklasse. Ein Jahr später folgte der Eintrag in die sportlichen Geschichtsbücher.

Anja Langer holte beim Ms. Olympia 1988 den Vize-Titel. Ihre Wettkampfkarriere beendete sie wenige Jahre später im Zuge einer ungeplanten Schwangerschaft. Auch wenn sie danach nie wieder auf die Bühne zurückkehrte, darf Anja Langer in der Liste der besten deutschen Profi-Bodybuilder aller Zeiten ohne Zweifel nicht fehlen.

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