Mr. Olympia 2022 Recap: eine neue Zeit bricht an

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Gerade noch hat Chris Aceto mit seiner Kritik am Zeitmanagement des Mr. Olympia Aufmerksamkeit erregt. Jetzt stand er gemeinsam mit Sergio Oliva Jr. wieder dem YouTube-Channel von RxMuscle zur Nachbesprechung zur Verfügung – und findet abschließend doch noch versöhnliche Worte.

Hadi Choopan: Der Beginn einer neuen Ära?

ChisAceto ist erklärter Choopan-Fan. Nicht nur, weil der Iraner in der von ihm so geschätzten 212er-Klasse großgeworden ist. Aceto lobt vor allem seine Konsistenz und stetige Verbesserung.

In Big Ramys Nachfolger sieht er nichts weniger als den Beginn einer neuen Ära. Ramy ist der letzte Vertreter einer Riege mit Shawn Rhoden, Dennis Wolf, Phil Heath, Kai Greene etc. Dass zwei ehemalige 212er-Athleten nun die vorderen Plätze belegen, sei ein Zeichen für einen Gesinnungswandel im Spitzen-Bodybuilding.

Nach Einschätzung von Sergio Oliva Jr., seines Zeichens IFBB Pro und unter anderem New York Pro-Champion 2017, hat Hadi Choopan das Kampfgericht durch eine perfekte Form gepaart mit einem Volumen, an dem es ihm beim Mr. Olympia 2021 noch mangelte, überzeugen können. Choopan, so der Interviewführende, sei aber auch in der verbesserten, massigeren Form eine Art „Bodybuilding Throwback“ für Puristen, die sich vor allem für eine schöne Linie und Symmetrie begeistern können.

Ein unwahrscheinlicher Mr. Olympia

Ein Erfolg in Las Vegas ohne Connections, ohne amerikanische Staatsbürgerschaft oder zumindest Dauerpräsenz in den Staaten, ohne medialen Glamour – das schien lange Zeit nicht möglich. Der Sieg des Hadi Choopan beweist jetzt das Gegenteil.

Ein Iraner mit einer Beeinträchtigung seines Gehörs, der kaum Englisch spricht und ständig mit Visa-Problemen kämpft, und es trotzdem geschafft hat. Hadi Choopans Sieg ist ein Statement. Auch der „Absturz“ des Titelträgers auf den fünften Platz stellt eine Seltenheit dar. Die Zeiten der Seriensiege seien vorbei.

Chris Aceto verweist auch auf die Enthüllungsserie der Washington Post, die derzeit in der Szene für Unwohlsein sorgt. Endlich hat der IFFB zumindest eines widerlegt: Kampfrichter können doch noch schlicht und einfach den besten Athleten gewinnen lassen.

Was ist mit Big Ramy passiert?

Auf die Frage nach den Gründen für Ramys Niederlage finden die beiden keine befriedigende Antwort. Die rätselhaften Knoten an seinen Quads und Glutes rechtfertigen keinen Abstieg um vier Plätze. Das Hauptproblem lag wohl in Wassereinlagerungen, die zwar bis zum Sonntag überwiegend verschwunden waren. Doch da das Prejudging ist immer noch maßgebend für die finale Entscheidung der Jury, konnte der Ägypter auch im Endspurt keine überzeugenden Argumente mehr liefern.

Chris Aceto meint: Es wird spannend bleiben!

Derek Lunsford nur knapp geschlagen auf Platz zwei bestätigt Chris Aceto, der ihn schon vor Jahren für „die Zukunft des Bodybuildings“ hielt. Schon im nächsten Jahr könnte sich der 212er-Mr. Olympia von 2021 die Sandow auch im Men’s Bodybuilding schnappen. Das Selbstbewusstsein für die Größe dieser Aufgabe habe er bereits an diesem Wochenende ausgestrahlt.

Potenzial für ganz oben bringen nach Aceto aber auch der drittplatzierte Nick Walker, der in diesem Jahr nur an Nuancen scheiterte, oder der Überraschungsfinalist Samson Dauda mit. Auch Andrew Jacked, der bei seinem Debüt respektabler Achter wurde, könnte in zwölf Monaten als ernsthafter Titelaspirant auflaufen.

Das sei schließlich eines der wichtigsten Takeaways: Der Pool aus talentierten Bodybuildern in der offenen Klasse ist so groß und sehenswert wie seit Jahren nicht mehr. Gleichzeitig scheint die Zeit falscher, rein politischer Schiedsrichterentscheidung vorbei. Den Fans stehen spannende Jahre bevor, in denen sich auch das umstrittene „Schönheitsideal“ des Men’s Bodybuilding wieder ändern könnte.

Und noch eines liegt Sergio, der selbst seit Längerem in Dubai lebt, besonders am Herzen: Mit der Wachablösung Big Ramys durch einen Iraner bleibt der Pokal im Mittleren Osten, wo Bodybuilder wie Popstars verehrt werden und noch ein echtes Momentum erzeugen können. Insbesondere im Iran könne ein amtierender Mr. Olympia inmitten der derzeitigen Unruhen ein Zeichen der Hoffnung setzen.

(uh) | Titelbild: Instagram

3 KOMMENTARE

    • Also die Selbsteinschätzung stimmt anscheinend bei Dir, hast wohl so viel gesoffen, dass du die Linie nicht mehr erkennst 🙂 Putz Dir mal die Augen!

  1. Ich habe Hadi den Sieg gegönnt, als ich seine Form im Prejudgement sah. Verdient gewonnen. Seine Emotionen nach der Verkündigung waren aufrichtig und nachvollziehbar. Nur eine Schwäche fiel mir auf: Die Unterarme.

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