Mike Sommerfeld bewies Top-3-Potenzial

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Kaum ein deutscher Athlet wird so kontrovers im eigenen Land betrachtet, wie Mike Sommerfeld. Das nahezu einzigarte Potenzial wird dem Classic Physique Athlet seit Jahren attestiert. Gleichzeitig gibt es eine Reihe an Kritikpunkten, die dem jungen IFBB Pro immer wieder vorgeworfen werden. Aus sportlicher Perspektive steht dabei insbesondere die mangelnde Härte im Fokus. In dem wohl besten Classic Physique Teilnehmerfeld aller Zeiten bewies Mike Sommerfeld an diesem Wochenende nun, dass er durchaus realistische Chancen auf eine Top-3-Platzierung beim Mr. Olympia gehabt hätte.

Ein unbeachteter Ausnahmesportler

Dass die Judges auf dem Mr. Olympia die Linie und Qualität eines Mike Sommerfelds wahrnehmen, wurde bereits im letzten Jahr bewiesen. Bei seinem Debüt konnte der deutsche Classic Physique Athlet auf Anhieb den siebten Platz erreichen. Dennoch war es keine Selbstverständlichkeit, dass der IFBB Pro an diesen ersten Erfolg anknüpfen würde. Nachdem er sich bereits in 2021 die erneute Qualifikation sicherte, war die öffentliche Präsenz nicht immer gegeben. Eine Verlagerung des Lebensmittelpunktes nach Mexiko und Sponsorenwechsel trugen ihren Teil dazu bei.

In Kombination mit Anlaufschwierigkeiten bei der Olympia-Vorbereitung drohte Mike Sommerfeld auf der Wettkampfbühne in Las Vegas nach hinten durchgereicht zu werden. Während die unmittelbare Konkurrenz in Abwesenheit von Chris Bumstead auf der Arnold Classic erneut aufeinandertraf und insbesondere der deutsche Kontrahent Urs Kalecinski allgegenwärtig war, bekam das Ausnahmetalent Mike Sommerfeld nur wenig Aufmerksamkeit.

Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass sich über 60 Athleten in der Classic Physique qualifizieren konnten, war bereits im Vorfeld klar, dass der Kampf um den ersten Call Out so hart wie noch nie werden würde. Ein Mike Sommerfeld aus 2021 hätte es auf dem Mr. Olympia 2022 schwer gehabt.

Der beste Mike Sommerfeld aller Zeit

Es bestand für Mike Sommerfeld die reale Gefahr, durchgereicht zu werden. – Dass dies keine Übertreibung ist, bekamen letztendlich der amtierende Arnold Classic Champ Terrence Ruffin sowie Alex Cambronero, der 2020 die Arnold Classic gewann, zu spüren. Der US-Amerikaner Ruffin fiel vom zweiten auf den sechsten Platz zurück und der Costa Ricaner Cambronero von Platz sechs auf Platz neun. Niemand war auf diesem Mr. Olympia sicher und wer den Leistungssprung in der Classic Physique nicht mitgehen konnte, bekam die Konsequenzen zu spüren.

Doch Mike Sommerfeld gelang genau dies! Das polarisierende Talent schaffte es, beim Mr. Olympia 2022 sein bisher bestes Paket auf die Bühne zu bringen und wurde mit einem fünften Platz belohnt. Bereits nach dem Pre-Judging war klar, dass das Ergebnis hätte sogar noch besser ausfallen können. Wie der Classic Physique Athlet nun in einem Interview nach dem Wettkampf erklärte, war all dies keinesfalls selbstverständlich.

Infekt und blockierter Wirbel auf der Zielgeraden

Aufmerksame Beobachter werden festgestellt haben, dass der Gesichtsausdruck des deutschen IFBB Pros im Rahmen seines Posings zeitweise angespannt wirkte. Während ein Chris Bumstead mit der Selbstsicherheit eines Champs auf der Bühne stand und ein Urs Kalecinski ein einnehmendes Wesen präsentierte, schaute Mike Sommerfeld zeitweise fast schon verunsichert, was für einen international erfahrenen Athleten ungewöhnlich war.

Der Grund hierfür soll ein blockierter Wirbel im Oberkörperbereich gewesen sein. Drei Tage vor dem Wettkampf habe er zuletzt Schultern trainiert und beim Seitheben sei ihm im Brustbereich ein Wirbel rausgesprungen. Trotz umgehender Behandlung war das Problem bis zum Bühnenauftritt nicht gelöst, so dass der Classic Physique Athlet nur unter Schmerzen die einzelnen Posen stellen konnte.

Darüber hinaus habe er eine Woche vor dem Mr. Olympia 2022 einen Infekt erlitten. Dies habe dazu geführt, dass Mike Sommerfeld am Wettkampfwochenende nicht die eigene Bestform abgerufen konnte.

Mike Sommerfeld hätte die Einladung zur Arnold Classic verdient

Unter Berücksichtigung dieser Umstände wird klar, wie knapp der Kampf um die Top 3 tatsächlich war. Der Bodybuildingtalent kündigte bereits an, Mexiko den Rücken zuzukehren und ab Januar einige Zeit in Deutschland zu verbringen. Mike Sommerfeld wolle durch Deutschland reisen und den persönlichen Kontakt zu einigen Menschen suchen. Auf diese Weise wolle er auch zeigen, dass er im echten Leben anders sei, als viele ihn auf Social Media wahrnehmen würde. Spätestens auf der FIBO 2023 könne man sich davon persönlich überzeugen.

Aus sportlicher Sicht wäre dem Classic Physique Athleten der nächste Schritt zu wünschen. Im März findet in Ohio mit der Arnold Classic der zweitwichtigste Wettkampf im Bodybuilding statt und es ist damit zu rechnen, dass Urs Kalecinski erneut eine Einladung erhalten wird. Aus deutscher Sicht sind die Daumen gedrückt, dass auch Mike Sommerfeld einen Startplatz erhält. Dass er dies sportlich verdient hätte, steht außer Frage. Der Wettkampf wäre dann eine Gelegenheit zu beweisen, dass er sein Potenzial weiterhin noch nicht voll ausgeschöpft hat.

(fha) | Titelbild: Instagram

5 KOMMENTARE

  1. Wie wahr…
    Nun erhält Mike Sommerfeld endlich die Aufmerksamkeit, die er schon lange verdient. Er hat ein einzigartiges Potential und ist ein begnadeter Classic – Bodybuilder. Dies wird und muss ihm neidlos anerkannt werden. Deutschland und der deutschsprachige Raum haben nichts Vergleichbares zu bieten – eine Tatsache, die in vielen Analysen und Nachlesen zum Mr. O. immer wieder festgestellt werden muss.
    Bekommt er seine vermeindlichen „Schwächen“ punktgenau ausgemerzt, bleibt ihm die Gesundheit treu, wird er auch einem Bumstead brandgefährlich werden.
    Egal wie wir es drehen und allen Neidern, Spöttern und Kritikern zum Trotz – dem jungen Mann gehört die Zukunft im Classic Bodybuilding. – Es sei ihm von Herzen gegönnt – nun gerade!

  2. Finde ich etwas merkwürdig Repone. Erst demontiert ihr ihn mit Kommentaren unter euren Youtubevideos und jetzt geht ihr auf Kuschelkurs.. Ich bin ein riesen Fan von Repone, aber auch von Mike und es ist unfair wie mit ihm umgangen wird- insbesondere von Urs, der öfter Mal nen Seitenhieb raushaut. Die beiden waren schließlich vor nicht all zu langer Zeit Freunde. Aber es ist krass wie viel Sponsoren verändern können. Auch am Beispiel ESN und Steve Benthin. Ich glaube was alle deutschen Bodybuildingfans sich wünschen würden wäre eine Aussprache zwischen Mike und Urs. Vielleicht habt ihr ja den Einfluss da was in die Wege zu leiten. Es wäre schön wenn die gesamte deutsche Bodybuildingszene an einem Strang ziehen würde. Wir sind als Bodybuildingnation im Kommen und da sollte jeder seinen Teil zu beitragen.

  3. @Sash – über Charisma lässt sich streiten – was immer du darunter verstehst – Urs ist ein freudlicher, netter Junge, der gern (und es ist völlig in Ordnung) mit dem Mainstream schwimmt und den man herumreichen kann(und sich auch herumreichen lässt) – und das wars auch schon. Er hat eine Unverbindlichkeit, keine Ecken und Kanten (Vergleich – ein Diamant wird erst dann wertvoll, wenn er geschliffen wird und viele Ecken und Kanten bekommt) Menschen mit Ecken und Kanten sind interessant. Und eine gewisse interessante Aura umgibt ihn leider auch nicht. Ich bin schon ein wenig älter und so kann ich dir sagen, dass die Community von heute sehr, sehr leicht zu befriedigen ist. Heute ist es der Trend, dem sie huldigen und morgen eben ein anderer. Die Community heute für sich zu gewinnen, ist ein Kinderspiel, wenn du dir ansiehst, wieviel Follower die vielen, vielen Influencer(früher eine Krankheitsbezeichnung), heute haben. Nichts von Dauer, auswechselbar, Allerweltsein…. So nicht eben Mike Sommerfeld. Und Gott sei Dank entscheidet auf Wettkämpfen (noch) nicht die „fachlich so hochstehende“ Community. Das diese Community alles wählt und schluckt sieht man an den Wahlergebnissen und dem braven Gehorsam der letzten 2 Jahre. Nimms sportlich!
    Übrigens, die religiöse Bedeutung des Begriffs „Charisma“ weist auf von Gott gegebenen Begabungen und Befähigungen hin – kennst du jemanden, der es, was das Potential, die Ästhetik, und die Eleganz des Körpers von Mike Sommerfeld im deutschsprachigen Raum toppen könnte? Ich kenne da niemanden und damit bin ich nicht allein. – WIe gesagt – nimms sportlich!

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